10. August 2017

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Vernissage an zwei Orten

Luther-Ausstellung „Hier stehe ich“ ab September in Dassel zu sehen
 
„Hier stehe ich“ ist eine Ausstellung, die zurzeit in vielen Orten Deutschlands zu sehen ist. So auch in Dassel in der St. Laurentiuskirche und im Museum „Grafschaft Dassel“ mit einer Vernissage an zwei Orten. Die Eröffnung der Ausstellung beginnt am Freitag, 1. September, um 16 Uhr im Museum „Grafschaft Dassel. Sie wird dann in der St. Laurentius Kirche fortgesetzt. Einleitende Worte spricht Prof. Dr. Kappen, Musik aus Luthers Zeit bieten Frank Pape und Pastor i. R. Ekhard Brandes dar. Pastor Martin Possner wird der Frage nachgehen, was Martin Luther heutzutage wohl zu sagen hätte.
 
Die Ausstellung stellt Luther als Theologen und Humanisten, vor allem aber auch als Mensch vor. Er wurde in eine Zeit geboren, in der die Kritik an dem Verhalten des katholischen Klerus auf ihren Höhepunkt gekommen war. Luther wollte keine neue Kirche, aber es ging ihm darum, für sich und seine Mitmenschen einen persönlichen Zugang zu den Quellen des Glaubens zu finden, anstatt von einer damals immer mehr auf Geld und Macht ausgerichteten Institution gegängelt zu werden.
 
„Vieles von dem was er gesagt und geleistet hatte, wurde schon seit etwa 70 Jahren von etlichen Reformatoren vorgebracht, wie etwa die Übersetzung der Bibel aus dem Lateinischen, die Forderung, das Abendmahl in beiderlei Gestalt auch Laien zu reichen oder die Kritik am Ablasshandel als Geschäfts-idee“, so die Verantwortlichen zu den Hintergründen der Ausstellung. Und weiter: „Für solche Kritik hatte man zum Beispiel Jan Hus 1415 in Konstanz hingerichtet. Zu Luthers Zeiten hatten sich aber auch die politischen Verhältnisse so verändert, dass seine Reformvorschläge auch bei den Fürsten im Reich Anerkennung fanden, allerdings zum Teil auch verhängnisvolle Auswirkungen hatten, wie etwa im Schmalkaldischen Krieg.“
 
Die Durchschlagskraft Luthers sei auch durch die Verbreitung seiner Schriften dank einer erst kürzlich erfundenen Drucktechnik gefördert worden. In der Ausstellung erfährt das Publikum, wie Luther die deutsche Sprache geprägt und bereichert hat, denn viele Redewendungen, die heute noch gebraucht werden, stammen von ihm. „Die Konsequenz, dass alle Menschen die Bibel lesen und Kirchenlieder singen sollten, war der Auslöser für eine allgemeine Schulbildung. Die Idee eines Gesangbuches für alle Gemeindemitglieder hat er durchgesetzt und mit eigenen Lieddichtungen bereichert“, nennen die Veranstalter als Beispiel dafür, wo Luthers damaliger Einfluss heute noch zu finden ist.
 
Auch die bis in die Moderne gehegte Auffassung einer intakten Familie habe Luther begründet. „Eine Emanzipation der Frauen im heutigen Sinne hatte Luther nicht vorgeschwebt, allerdings haben schon zu seinen Lebzeiten einflussreiche Frauen dazu beigetragen, dass sich die Reformation durchsetzte. Luther war kein Prophet und kein Heiliger, obwohl sich manche Legende über ihn gebildet hatte. Z. B. hatte er seine 95 Thesen nicht an die Tür genagelt und er sagte auch nicht wörtlich „Hier stehe ich, ich kann nicht anders“. Gleichwohl hat er eine neue Epoche ausgelöst. Stehen wir nach 500 Jahren vor einer neuen Herausforderung?“, fragen die Verantwortlichen provokativ.