„Tschernobyl-Kinder“ angekommen

07. Juni 2018
Fröhlicher Auftakt: Kinder und Mütter sind für vier Wochen zu Gast. Begrüßt wurden sie von dem Leiter des Schulbauernhofs, Axel Unger, und der Organisatorin der Hilfsaktion, Cornelia Jäger (hinten: 3. und 4 von links). Foto: Jan von Lingen

Auftakt auf dem Schulbauernhof

Die ersten 100 Kinder aus Weißrussland sind in Niedersachsen auf dem Flughafen Langenhagen angekommen. 25 Gäste reisten weiter in den Kirchenkreis Leine-Solling, unter ihnen auch junge Mütter mit ihren Kindern. Mit einem Fest auf dem Schulbauernhof Hevensen begann die diesjährige Ferienaktion „Hilfe für Tschernobyl-Kinder“, für die sich wieder genug Gastfamilien fanden.

„Man sieht einfach, wie gut den Kindern der Besuch in Deutschland tut, sie blühen bei uns richtig auf", erzählt Cornelia Jäger, die bereits seit mehr als 20 Jahren dabei ist und die Aktion vor Ort mit einem Team organisiert: „Die Katastrophe von Tschernobyl ist in Vergessenheit geraten, dabei leiden die Kinder noch heute", so Jäger. Aus vielen Besuchen der letzten Jahre seien sogar Freundschaften und Familienverbindungen entstanden, berichtet Jäger. Einige Mütter sind mit ihren Kindern dabei, die früher selbst als Kinder zu Gast waren.
„Die Katastrophe von Tschernobyl vor 32 Jahren ist kein einmaliges Ereignis, das auf einen Tag beschränkt ist“, sagte Superintendent Jan von Lingen bei der Begrüßung der Gasteltern: „Diese Katastrophe hört nicht auf, denn die Schäden wirken fort, da die Böden radioaktiv belastet sind.“ Von Lingen dankte den Gasteltern für ihre Bereitschaft, die Kinder aufzunehmen: „Vier Wochen saubere Luft und eine ausgewogene Ernährung mit unbelasteten Lebensmitteln tun den Kindern gut und bessern nachweislich das Blutbild.“

Als Gastgeschenk erhielten die Kinder einen kleinen eingepackten Engel, der sich beim Auspacken als ein kleines Reisehandtuch erwies. Darauf stand der Psalmvers: „Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen Deinen Wegen“. Im Anschluss an die Begrüßung und die Kuchentafel folgte eine Führung über den Schulbauernhof Hevensen.

Die Gastkinder kommen aus dem Gebiet Gomel im Süden Weißrusslands. Es grenzt unmittelbar an den Unglücksreaktor von 1986. Den Flug und die nötigen Versicherungen für Kinder, Mütter und Dolmetscher bezahlt die evangelische Landeskirche. In ganz Niedersachsen beteiligen sich 250 Gastfamilien. 17 Kirchenkreise machen bei der diesjährigen Aktion der Landeskirche mit. Bereits zum 28. Mal findet die Hilfsaktion der Arbeitsgemeinschaft „Hilfe für Tschernobyl-Kinder" statt. Etwa 27.000 Kinder waren bereits in den fast drei Jahrzehnten zu Gast.