Seelsorger: „Ich möchte diese Zeit nicht missen“

09. August 2018
Matthias Spiegel-Albrecht Foto: Mareike Spillner

Matthias Spiegel-Albrecht wechselt in das Evangelische Krankenhaus Weende

Im Raum der Stille ist es andächtig ruhig. Darin hängt links an der Wand ein großes Bild eines Kreuzes, angelehnt eine Leiter, die in den blauen Himmel ragt. Daneben steht ein Auszug aus Psalm 36 geschrieben: „Bei DIR ist die Quelle des Lebens und in deinem Licht sehen wir das Licht.“ Dieser Spruch wird Pastor Matthias Spiegel-Albrecht am Freitagnachmittag begleiten, wenn er in einem feierlichen Gottesdienst im Mehrzweckraum der Helios Albert-Schweitzer-Klinik von Superintendent Jan von Lingen verabschiedet wird. Zu Anfang September wechselt der Pastor als Klinikseelsorger in das Evangelische Krankenhaus Weende in Göttingen. „Ich möchte diese Zeit nicht missen – freue mich aber auch auf die neue Aufgabe in einem evangelischen Krankenhaus mit voller Stelle und einem tollen Kollegium um mich herum.“

Pastor Spiegel-Albrecht war je zur Hälfte Seelsorger in der Helios Albert-Schweitzer-Klinik in Northeim sowie Seelsorger im Kirchenkreis Leine-Solling. Seine Projektpfarrstelle im Kirchenkreis Leine-Solling begann im Oktober 2013. Dazu gehörten unter anderem die Mitarbeit im Ambulanten Hospizdienst, in der Leitung der Notfallseelsorge und die Vertretungsarbeit in Kirchengemeinden.
In den fast fünf Jahren als Klinikseelsorger in Northeim sei viel geschaffen worden, aber die Zeit sei auch durch viele Veränderungen geprägt worden. „Die Aufenthaltsdauer im Krankenhaus wird immer geringer. Die Begegnungen sind kurz und intensiv. Eine Begleitung über mehrere Wochen oder eine Beratung für eine Veränderung im Leben der um Unterstützung Bittenden wird daher immer seltener.“

Dafür erfahre der „Raum der Stille“ viel mehr Resonanz. Wie zum Beweis betritt ein Herr den Raum: „Ich wollte nicht stören, mir war danach, ein Gebet zu sprechen. Ich komme später noch einmal wieder.“ Der Raum der Stille wurde im letzten Jahr von Spiegel-Albrecht umgestaltet, unter einem Kreuz können Steine als Symbol für abgelegte Lasten hinterlegt, und Kerzen entzündet werden. Vorhänge schützen vor neugierigen Blicken, sodass auch die Mitarbeiter des Krankenhauses das Angebot der Ruhe und einen Moment des Innehaltens gerne in Anspruch nehmen. Klinikseelsorge ist sehr vielseitig.

„Da es im Krankenhaus meistens um Verlust, Krankheit und schwierige Lebenssituationen geht, gilt es, den Trost Gottes in die Situation hineinzubringen“, sagt der erfahrene Seelsorger. Es gebe auch die besonders traurigen Fälle, wenn Menschen schwere Unfälle haben oder plötzlich sterben. „Der Glaube ist die wichtigste Lebenshilfe, die es gibt, aber es ist die Entscheidung eines jeden Einzelnen, ob er die Hilfe nutzen möchte oder nicht“, erklärt er die Bedeutung der Religion. Er habe es auch schon häufiger erlebt, dass sein Angebot belächelt wurde. „Es wird abgewunken: Ach, damit haben wir nichts zu tun. Manchmal ist meine Aufgabe eben auch kein Zuckerschlecken.“

Doch in den Jahren hat Matthias Spiegel-Albrecht auch viele schöne, nachdenkliche Momente erlebt, die ihm besonders in Erinnerung bleiben werden. Er hat viel Trost in Situationen gespendet, auf die das Leben einen Menschen nicht vorbereitet. Ein besonderer Moment war eine Trauung auf der Palliativstation. „Zwei Verwitwete hatten sich vor einigen Jahren gefunden, die ältere Dame war leider schwer an Krebs erkrankt. Sie wussten, dass ihre gemeinsame Zeit nur noch von kurzer Dauer war und wollten sich gerne noch das Ja-Wort geben. Das war der große, letzte Wunsch der Dame. Wir haben gerne geholfen, ihn zu erfüllen“, blickt der 57-jährige Pastor und Seelsorger zurück.

Ein Nachfolger für Pastor Spiegel-Albrecht steht noch nicht fest. Unter finanzieller Beteiligung von Krankenhaus, Kirchenkreis und Landeskirche soll aber mindestens eine halbe Pfarrstelle in der Helios Albert-Schweitzer-Klinik wiederbesetzt werden. Bis dahin ist der „Raum der Stille“ weiterhin geöffnet, Gottesdienste in der Helios-Klinik wird es vorerst allerdings nicht geben. „Wer seelsorgerische Begleitung bei Krankheit wünscht, kann sich aber jederzeit an die Geistlichen der eigenen Kirchengemeinde wenden.
Verabschiedet wird Herr Pastor Spiegel-Albrecht am Freitag, 10. August 2018 um 14.30 Uhr im Mehrzweckraum der Helios Albert-Schweitzer-Klinik in Northeim.