Wort zum Sonntag, HNA am 12.05.2018

12. Mai 2018

Wie lieblich ist der Maien

Die Sonne scheint. Hell und warm fallen ihre Strahlen durch das Laub der Bäume. Noch vor wenigen Tagen war es kalt und trübe. Ein Mann wandert langsam durch die auferstandene Natur. Er hat es nicht eilig. Seine Jacke hat er ausgezogen, hält sie in der Hand. Mit der Hand streicht er über die Gräser, die die Felder säumen. Ein Tautropfen bleibt hängen. Manchmal bleibt er stehen und schaut sich um. Dann haftet sein Blick an den Feldblumen oder einem Baum. Er sieht die Vögel, hört die Bienen summen. Himmlische Ruhe – fernab von den Sorgen und Aufregungen des Alltags. Er setzt sich auf einen großen Felsblock am Wegrand. Ein wenig später streckt er sich aus. Der Fels ist warm. Auf den Rücken liegend schaut der Mann in das Blau des Himmels und sein Herz wird weit.

Wie schön das ist. Wie wunderbar. Der Mann lässt seine Gedanken schweifen. Er denkt an die Spaziergänge mit seine Eltern – das ist lange her. Sein Vater kannte sich gut aus, konnte die verschiedenen Vogelarten unterscheiden. Käfer, Vogelnester, Eidechsen. Es gab viel zu entdecken. Im Tümpel gab es Kaulquappen. Auf dem warmen Stein kommen die Erinnerungen. Sie tun gut, aber auch ein Bisschen weh.

Und eine alte Melodie fällt ihm ein, ein Lied, lange nicht mehr gesungen: „Wie lieblich ist der Maien aus lauter Gottesgüt, des sich die Menschen freuen, weil alles grünt und blüht.“

Pastor Dr. Thilo Krüger