Wort zum Sonntag, EM am 30.06.2018

28. Juni 2018

Von Hühnern lernen

Wir haben seit letztem Jahr eine kleine Hühnerherde in unserem Garten und ich verspreche es: heute schreibe ich ein einziges Mal über sie und dann nie wieder.

Denn vermutlich können Menschen, die unsere Hühnerbegeisterung nicht teilen, Satzanfänge wie „Seit wir die Hühner haben…“, „Bei unseren Hühnern sieht man deutlich…“, „Unsere Hühner sind…“ nicht mehr hören.

Aber seit wir die Hühner haben beschäftigt mich der Begriff der Nachhaltigkeit täglich. Denn was wir uns so idyllisch dachten – Ökohuhn auf grüner Wiese – war dann doch ganz anders.

Bei unseren Hühnern sieht man deutlich, was mit einem Stück Natur passiert, dessen Nutzer von Nachhaltigkeit entweder keine Ahnung haben oder denen es ganz einfach egal ist: im Hühnergehege geblieben ist ein kahler Boden auf dem kein Halm mehr wächst. Unsere Hühner sind von diesem Zustand natürlich auch nicht begeistert. Daher haben wir inzwischen das Gehege geteilt und auf der einen Seite Kräuterrasen ausgesät. Und damit nicht wieder ein Umweltzerstörerhuhn auf der falschen Seite scharrt, haben wir das Stück mit einem Zaun abgetrennt.

Im Hinblick auf Nachhaltigkeit frage ich mich oft, ob wir Menschen auch so einen Verbotszaun brauchen: Auto benutzen – verboten! Obst in Plastikverpackung verkaufen – verboten! Gift spritzen – verboten! Tiere in Qualzucht halten – verboten! Gärten und Grünflächen insektenfeindlich gestalten – verboten!

Dabei fände ich es so viel schöner statt des Zauns einen schlichten Satz zu setzen: „Siehe, der Himmel und die Erde und alles was darinnen ist, das ist des Herrn, deines Gottes.“ (Deuteronomium 10,14). Denn schließlich sind wir ja schlauer als Hühner!

Ihre Stefanie Deichmann (Seelsorgerin am Einbecker Bürgerspital)

P. S. Noch ein Wort zu unseren Wiederaufforstungsbemühungen: Wir hätten früher damit beginnen sollen, weil es ewig dauert, aber es zeigt sich immerhin schon wieder ein grüner Flaum – ein Hoffnungszeichen!

Stefanie Deichmann
Stefanie Deichmann