Wort zum Sonntag, EM am 21.07.2018

19. Juli 2018

Es riecht nach Kaffee und Meer

Ich wache auf in dem schmalen, schwankenden Etagenbett. Es gluckert und plätschert hinter der Wand meiner Koje. Meine Freundin guckt freundlich-verschlafen zu mir runter. Ein Frühaufsteher hat schon Kaffee gekocht. Den trinken wir barfuß an Deck mit Blick aufs Wattenmeer. Zehn Tage lebe ich mit Freunden auf einem alten Segelschiff. Wir halten die Nasen in den Wind, ziehen Segel an rauen Seilen hoch und runter, kurbeln, zerren, kriegen Gischt, Regen und Sonne ab. Wir lachen, stöhnen, fluchen, staunen und möchten es alle nicht missen. Klaglos teilen wir uns zu zehnt zwei Klos, eine enge Kajüte und kochen und backen bei Schräglage auf dem alten Gasherd.

Wie ein kleiner Mikrokosmos schippern wir übers Meer und sind uns selbst genug.

Der Wind pustet durch die Haare und die Köpfe und macht sie frei, um die Gedanken neu zu ordnen.

Wir sind eine meist fröhliche und friedliche Gemeinschaft. Aber auch schon manche Lebenskrise wurde unterwegs besprochen. Manche Träne ist geflossen und über so vieles mit dem nötigen Abstand gelacht worden.

Meer und Wellen, Wind und Weite, Ebbe und Flut bringen uns in Bewegung und unser Leben ins Gleichgewicht. Nach zehn Tagen sehen wir den Regenbogen und gehen an Land.

Huch, der feste Boden schwankt.

Ute Räbiger
Gleichstellungsbeauftragte Ute Räbiger