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„Rechtsextremismus und christlicher Glaube sind unvereinbar“

07. Juni 2018
Pastor Wilfried Manneke Foto: Christian Dolle

Pastor Wilfried Manneke sprach im Kirchenkreistag

„Rechtsextremismus und christlicher Glaube sind unvereinbar“, sagt Pastor Wilfried Manneke bei seinem Vortrag vor dem Kirchenkreis unter dem Motto „Unser Kreuz hat keine Haken“. Für sein Engagement gegen Rechtsextremismus erhält er in diesem Jahr den Paul-Spiegel-Preis des Zentralrats der Juden. Bei seinem Vortrag im Kirchenkreis Leine-Solling wurde deutlich, warum er für seine Zivilcourage ausgezeichnet wird.

Wilfried Manneke ist Pastor im kleinen Ort Unterlüß in der Lüneburger Heide. Vor allem in den Nachbarorten kam er dort in den späten 1990er Jahren immer wieder mit Neonazis in Berührung, die die Region für große Zusammenkünfte, als Tagungsort und für ihre Sonnwendfeier auserkoren hatten. Da auch Jugendliche, die er konfirmiert hatte, in diese Szene abzurutschen drohten, wollte Manneke nicht tatenlos zusehen und organisierte den Protest.

Zunächst habe er versucht, Kontakt aufzunehmen und Gespräche zu führen, berichtete er den Mitgliedern des Kirchenkreistages Leine-Solling, später gab es Drohungen gegen ihn, sogar Brandanschläge auf das Pfarrhaus. „Bis heute gibt es Nazitreffen in der Region“, sagte Manneke: „Das ist alles andere als harmlos.“

„Unser Kreuz hat keine Haken“, lautet das Motto der „Initiative Kirche für Demokratie und gegen Rechtsextremismus“, die er mitbegründete und der auch der Kirchenkreis Leine-Solling angehört. Sie soll deutlich machen, dass vor Gott alle Menschen gleich und ihre Würde unantastbar seien. Sie betont, dass Kirche Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit bekämpft und dass Protestantismus auf Demokratie setzt sowie sich für Frieden und Gerechtigkeit eintritt.

All dies lasse sich biblisch begründen, so dass eindeutig klar werde, wie unvereinbar christliche Werte mit dem Weltbild der Neonazis seien. Gerade im Gleichnis des barmherzigen Samariters gehe es um bedingungslose Hilfe, unabhängig von Herkunft, Stellung und anderer Merkmale, so Manneke. Und genau dies sei nun einmal die Definition christlicher Nächstenliebe, die mit rechtsextremen Positionen unvereinbar sei. Nächstenliebe verlange Klarheit.

Wie klar Wilfried Manneke diese Unvereinbarkeit sieht, wurde auch in der anschließenden Diskussion deutlich, als beispielsweise die Frage nach der Grenze zwischen Rechtsextremismus und aktuellen populistischen Parteien gestellt wurde. „Manche unterscheiden säuberlich zwischen Rechtsextremisten und Rechtspopulisten, ich trenne da nicht so sehr“, machte er deutlich. Das schmeckte erst einmal nicht jedem, doch Pastor Manneke führte aus, dass viele Positionen absolut identisch seien und oft seien es somit nur die Sprache und die Strategien, die das eine vom anderen trenne.

Aktuell würden Meinungen salonfähig gemacht, die den Werten des Christentums grundlegend widersprechen, so dass er persönlich zu der Ansicht komme: „Ich halte die AfD für gefährlich.“ Auch hier gab es im Plenum des Kirchenkreises andere Meinungen und es wurde davor gewarnt, Menschen mit bestimmten Meinungen nicht zu schnell in die rechtsextreme Ecke zu drücken. Es müsse darum gehen, mit Menschen unterschiedlicher Meinungen in den Dialog zu treten, schaltete sich Superintendent Jan von Lingen in die Diskussion ein.

Auch im Kirchenkreis Leine-Solling gebe es Herausforderungen, machte er deutlich, nicht in dem Maße wie in Mannekes Umfeld, doch auch hier solle Kirche wachsam sein. Daher gab es auch im Kirchenkreis in der Vergangenheit bereits etliche Aktionen, im Kirchenkreistag selbst wurden die bekannten „10 Thesen gegen Rechtsextremismus“ thematisiert und verabschiedet. Außerdem hat sich der Kirchenkreis in der Ablehnung einer Spende eines zweifelhaften Autors deutlich positioniert. Auch das Engagement für Flüchtlinge und Integration sei ein deutliches Zeichen. Dennoch riet er: „Bleiben wir aber wach, damit die Zunge kein Mörderwerkzeug wird, wie Luther es sagte.“

 

Pastor Wilfried Manneke Foto: Christian Dolle