Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

Studenten über biblische Schlüsselworte und Kirche in 10 Jahren

02. August 2018

Northeimer Sommerkirche schließt am Sonntag in Langenholtensen

Unter dem Motto „Alte Hasen, junge Spunde“ stehen die Gottesdienste während der Sommerferien in der Region Northeim. Die ersten vier Sonntage wurden in der Sixti-Kirche gefeiert, der fünfte Sonntag in der Corvinusgemeinde und jetzt am Sonntag lädt zum Abschluss die Kirchengemeinde in Langenholtensen in ihre Kirche ein. Zu hören sind junge Nachwuchstheologen sowie erfahrene Prediger über ihre biblischen „Schlüsselworte“. Mit dabei waren auch Theologiestudentin Nora Meyer, und Florian Fröchtenicht, Student der Religionspädagogik. Wir stellten einige Fragen zum Studium, zu der Gottesdienst-Reihe und zu „Kirche in zehn Jahren“:


Pressedienst: „Was hat es Ihnen bedeutet, an dieser Sommer-Gottesdienst-Reihe teilzunehmen und was fanden Sie daran am Schönsten?“

Nora Meyer: „Ich habe eine starke Verbundenheit zur St. Sixti Kirche und der Gemeinde, da ich dort meinen Konfirmandenunterricht hatte und auch als Jugendliche in der Gemeinde aktiv war. Außerdem finde ich die Kirche als sakrales Gebäude unglaublich schön und in ihr herrscht für mich immer eine besondere Atmosphäre. Ich kann dort auch immer sehr gut zur Ruhe kommen.
Besonders für mich war, dass ich den Gottesdienst zusammen mit Karin Gerken-Heise gestaltet habe, da ich sie schon länger kenne und es daher ein sehr schönes Miteinander war. Außerdem finde ich es toll, dass das Konzept Sommerkirche so gut angenommen wird. Aus meinem Praktikum weiß ich, dass das nicht selbstverständlich ist. Dabei ist es doch schön, dass in den Sommerferien alle ein bisschen enger zusammenrücken und gegenseitig aufeinander zugehen.“

Florian Fröchtenicht: „Ich bin für diese Möglichkeit sehr dankbar gewesen, da ich meine Erfahrungen im Predigen bisher fast ausschließlich in Jugendgottesdiensten gesammelt habe. Der Gemeinde meine Schlüsselworte zu erklären, war eine frische Erfahrung, die von mir auch ein       wenig Selbstreflexion gefordert hat.“

Pressedienst: „Warum haben Sie sich für ein Theologie- bzw. Religionspädagogik-Studium entschieden?“

Nora Meyer: „Ich habe immer zwischen Politikwissenschaften und Theologie geschwankt. Inzwischen studiere ich beides, habe aber zuerst das Theologiestudium begonnen. Wie schon erwähnt, komme ich aus der Jugendarbeit von Mathis Burfien und bin dann auch mit zu den Konfitagen gefahren. Später habe ich dann v.a. im K3 Jugendgottesdienste organisiert. Dort habe ich mich immer schon am meisten für die 'heiklen' Fragen interessiert, auf die Antworten nur schwer zu formulieren sind (Was ist Gott? Wie gehen wir heute mit der Bibel um?) Ich habe immer an der Predigt mitgeschrieben. Außerdem hat Jan Mönnich uns als JuGo-Gruppe immer einen sehr freien Gestaltungs- und Diskussionsrahmen gelassen, sodass wir vieles Spannende ausprobieren konnten. Ich hatte sowohl an den theoretischen Fragen als auch an der praktischen Umsetzung Spaß, sodass dann das Theologiestudium relativ nahelag. Obwohl das Theologiestudium selber schon unglaublich vielfältig ist, bin ich aber auch froh, dass ich durch mein Politikstudium auf einige Fragestellungen noch einmal eine andere Wissenschaftsperspektive einnehmen kann.“

Florian Fröchtenicht: „Ich studiere Religionspädagogik, weil ich selbst glaube, dass die evangelisch christliche Arbeit in meinem Umfeld den Menschen aus mir   gemacht hat, der ich heute bin. Ich sehe wie viele junge Menschen hier ihren eigenen Weg gehen können ohne sich von Anderen erzählen lassen zu müssen was Sie im Leben zu schaffen haben.“ 

Pressedienst: „Wo sehen Sie Ihre berufliche Zukunft: In der Stadt oder auf dem Land - und warum?“

Nora Meyer: „Meine Zukunft sehe ich eher in einer Stadt. Ich würde gerne so viele Wege wie möglich mit dem Rad erledigen und auf dem Land, wo auch viele Gemeinden in unterschiedlichen Dörfern zusammengelegt sind, würde das vermutlich nur schlecht gehen. Außerdem würde ich gerne im Team arbeiten, was in einer Stadt auch wahrscheinlicher ist.“

Florian Fröchtenicht: „Damit beschäftige ich mich aktuell noch! Ich habe fast sieben Jahre lang auf dem Land bzw. in Northeim als Kleinstadt Jugendarbeit gemacht. Seit ich in Hannover studiere, habe ich viele urbane Konzepte für Jugendarbeit kennengelernt. Wo ich am Ende landen werde, entscheide ich vermutlich am Ende meines Studiums. Ich denke trotzdem, dass beides auf seine ganz eigene Art prägen kann.“

Pressedienst: „Wie sieht „Kirche" für Sie in 10 Jahren aus?“

Nora Meyer: „Das kann ich gar nicht so genau sagen. Große Gemeinden, weniger PastorInnen, viele Umstrukturierungsmaßnahmen. Das ist ja so das Klassische, was einem in Zukunftsprognosen mitgeteilt wird. Aber ich glaube, dass sich da auch viele neue Wege aufzeigen können, an die bisher noch gar nicht gedacht worden ist. Es wird auf jeden Fall zu einer Spezialisierung von Aufgabenbereichen kommen, wie es auch schon langsam in Northeim anfängt. So kümmern sich seit letztem Jahr ja auch nicht mehr alle PastorInnen um die KonfirmandInnenarbeit. Für die PastorInnen bedeutet das auch, sich v.a. in den Bereichen engagieren zu können, in denen sie auch ihre Stärken haben. Insgesamt betrachtet, stellt sich für mich aber auch die Frage, welche Rolle Kirche noch als zivilgesellschaftlicher Akteur spielen wird. Gerade 2015, als viele Flüchtende nach Deutschland gekommen sind, hat sich gezeigt, wie wichtig kirchliche Strukturen im sozialen Bereich sind und wie hoch ihr Potential ist, im Notfall auf ehrenamtliches Engagement zurückgreifen zu können. Mit Blick auf die derzeitigen Entwicklungen in der deutschen Parteienlandschaft ist eine Kirche, die sich als ein Akteur in der sich pluralisierenden Gesellschaft aktiv für die Bewahrung der in unserem Grundgesetz verankerten Rechte einsetzt, dringend notwendig.“

Florian Fröchtenicht: „Ich glaube Kirche muss in 10 Jahren anders sein. Wir müssen uns auf neue Umstände einstellen und Menschen mit ihren persönlichen Themen und Problemen bei uns willkommen sein lassen. Ich wünsche mir eine Kirche, die Menschen durch den Glauben stärkt anstatt ihnen unnötige Zwänge aufzusetzen. Ich bin mir sicher, dass wir nur so in Zukunft unsere gesellschaftliche Relevanz rechtfertigen können.“

Die Fragen stellte Mareike Spillner