Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

Diese Akzentuierung im Bereich der Diakonie ist eine bewusste Entscheidung

06. September 2018

Neuer Diakonie-Chef besucht den Kirchenkreis Leine-Solling

Die Kirche ist eine wichtige Stimme im gesellschaftlichen Diskurs. Das äußert sich ganz praktisch in diakonischer Arbeit, zeigt sich aber auch in klaren Positionen wie zurzeit in der Hilfe für Flüchtlinge. „Glaube hat eine gesellschaftsgestaltende Funktion“, sagte der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke, bei einem Besuch im Kirchenkreis Leine-Solling. Bei einer eintägigen Bereisung besuchte der neue Oberlandeskirchenrat diakonische Einrichtungen in Einbeck, Uslar und Northeim.

Auf christlicher Grundlage halte er die Festung Europa für falsch und das, was in unserem Land aktuell passiert, für erschreckend, sagte Lenke, beim Besuch des Projektes „Neue Nachbarn“ in Einbeck. Die Geschehnisse in Chemnitz wurden an diesem Tag zum Gesprächsthema, obwohl er eigentlich gekommen war, um sich über das breite diakonische Angebot des Kirchenkreises zu informieren. Daher standen unter anderem das Projekt „Jeder isst mit“ des „Forums Kinderarmut“ in Uslar auf dem Programm. Das Projekt hilft bei der Finanzierung von Mittagessen in Schulen und Kitas in Uslar und Bodenfelde, erklärte Kirchenkreissozialarbeiterin Melanie Schmidt.

Eine weitere Station war die Einrichtung „Neue Nachbarn“, die sich in Einbeck seit 2015 um die Integration von in den Kirchenkreis Geflüchteter kümmert. Wichtig dabei seien eben nicht nur die ersten Schritte wie Hilfe bei Behördengängen oder die Anmeldung zum ersten Sprachkurs, machte Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler deutlich, sondern eine möglichst langfristige Begleitung, die echte Integration, also ein Kennenlernen der Region und ihrer Bewohner zu Ziel hat. „Wir gehen davon aus, dass diejenigen, die herkommen, auch hier bleiben“, so Spindler. Die Begleitung fange also bei der Kontaktaufnahme zum Kindergarten an und höre bei eventueller Traumabewältigung noch lange nicht auf.

Die Integration in den Arbeitsmarkt ist natürlich das Etappenziel, darüber hinaus gibt es aber auch immer wieder Angebote wie beispielsweise ein Bürgertheater mit einem Ensemble aus Göttingen, weil viele Geflüchtete gerne jede Chance wahrnehmen, mit Deutschen in freundschaftlichen Kontakt zu kommen. Das Problem sei es meist eher, genug Einheimische für solche Ideen zu begeistern.

Der Oberlandeskirchenrat lobte diesen Ansatz, vor allem, weil die Integration derzeit vor der Herausforderung stehe, dass der politische Wind sich dreht. „Es ärgert mich, dass wir jetzt ein Klima erzeugen, in dem geflüchtete Menschen sich plötzlich angefeindet sehen“, sagte er und war sich mit allen am Tisch schnell einig, dass die Asylfrage nicht in eine Nützlichkeitsdebatte münden dürfe.

Kirchenkreisweit gab in den letzten Jahren 30 Projekte, die sich mit Flüchtlingssozialarbeit befassen, berichtete Superintendent Jan von Lingen, viele davon auf ehrenamtlicher Ebene und alle mit viel Engagement der einzelnen Akteure. „Wir müssen einander kennenlernen und miteinander ins Gespräch kommen“, beschrieb er einen der Grundsätze kirchlicher Arbeit. „Und wenn ein Geflüchteter bei uns vor der Tür steht, werden wir in ihm immer den Nächsten sehen.“

Außerdem überreichte er dem Gast aus Hannover einen sogenannten „Diakonieatlas“, in dem rund 90 diakonische Projekte in allen Regionen des Kirchenkreises aufgelistet sind und der deutlich zeigt, wie breit das Engagement ist. Die Angebote reichen von Schuldner- und Sozialberatung über Besuchsdienste bis hin zum ambulanten Hospizdienst.

In dieser Ausprägung sei das diakonische Engagement für einen Kirchenkreis nicht selbstverständlich, stellte Diakonievorstandssprecher Lenke durchaus ein wenig beeindruckt fest. „Diese Akzentuierung im Bereich der Diakonie ist eine bewusste Entscheidung“, sagte Lenke. Und er machte deutlich, dass in Leine-Solling damit ein Zeichen gesetzt wird, das auch in Hannover wahrgenommen wird.

ZUR PERSON:
Der Kirchensenat der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und der Aufsichtsrat der Diakonie in Niedersachsen hatten den 59jährigen Hans-Joachim Lenke zum neuen Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen und als Oberlandeskirchenrat zum Leiter für die Abteilung Diakonie gewählt. Er wurde damit Nachfolger von Dr. Christoph Künkel, der aus gesundheitlichen Gründen im Oktober 2017 in den Ruhestand ging.
„Im gesellschaftlichen und politischen Raum muss die Diakonie die Stimme derer sein, die sich nur schwer Gehör verschaffen können“, so Hans-Joachim Lenke. Dazu gehöre insbesondere die Bekämpfung der Armut und ihrer Folgen. Die Spielräume, die die wirtschaftliche Situation bietet, müssen genutzt werden.
Hans-Joachim Lenke war zuletzt seit 2011 Vorstandsvorsitzender des Ev. Diakoniewerks Schwäbisch Hall, einem diakonischen Träger mit 2.300 Mitarbeitenden in einem Krankenhaus und fünf Altenhilfeeinrichtungen und großem ambulanten Dienst. Der Theologe begann 1991 seinen Dienst als Pastor in Sottrum und wechselte 1994 in die Marktgemeinde St. Jakobi nach Einbeck. Von 2002 bis 2011 war Lenke Superintendent im Kirchenkreis Wolfsburg.

Fotos: Christian Dolle unter: www.leine-solling.de