Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Uslarer Modell nun bundesweit in Planung"

01. November 2018

Bundesministerium für Arbeit und Soziales kündigte Familienstärkungsgesetz an

Am 20. Oktober bildeten sich Mitglieder des Forums Kinderarmut im Fundraising fort und feierten die Nachricht aus dem Arbeits- und dem Familienministerium der Bundesregierung. Unter der Leitung von Nina Hollung, Referentin des Evangelischen MedienServiceZentrums (EMSZ) der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers e.V. beschäftigten sich die Forumsmitglieder im Rahmen eines Tagesseminars mit den Grundlagen des Fundraisings und sammelten Ideen, um Unterstützer zu gewinnen und zu halten. 
An dem Tag sorgte eine Nachricht aus dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales zwischen den Teilnehmenden für große Begeisterung und großes Durchatmen! 
Am 13. Oktober kündigten der Arbeitsminister Hubertus Heil und die Familienministerin Franziska Giffey das Familienstärkungsgesetz an, welches unter anderem den Wegfall des 1 Euro-Eigenanteils beim Mittagessenszuschuss des Bildungs- und Teilhabepakets (BuT) beinhaltet (siehe: https://www.bmas.de/DE/Presse/Interviews/2018/2018-10-13-welt.html [Abruf: 22.10.2018]). Es ist noch nicht konkret, aber dennoch bewertet das Forum Kinderarmut diese Gesetzesankündigung als großen Meilenstein und auch Erfolg der Überzeugungsarbeit.  
Das Forum Kinderarmut kämpft seit 2012 konkret dafür, dass das Mittagessen in der Kita oder Schule für Kinder mit Anspruch auf das BuT, kostenlos und unbürokratisch ist. 2014 startete das Forum Kinderarmut in Kooperation mit dem Landkreis Northeim, dem Jobcenter Landkreis Northeim sowie zehn Schulen und Kitas aus Uslar und Bodenfelde das Projekt „Jeder isst mit!“. Mittlerweile sind 14 Schulen und Kitas beteiligt.
Vor Projektstart haben im Jahr 2012 nur 46 anspruchsberechtigte Kinder in Uslar und Bodenfelde am Mittagessen teilgenommen. Im Januar 2018 waren es 231 Kinder und Jugendliche (Im Kitabereich waren es 78 Kinder, in den Uslarer Grundschulen profitieren 82 Kinder und 78 Jugendliche nutzen das kostenlose Mittag in den weiterführenden Schulen). Von Februar 2014 bis Januar 2018 hat das Forum Kinderarmut 93.505 Mittagessen á 1 Euro finanziert! 
Im Herbst 2015 erhielt das Forum Kinderarmut für die besondere Form der Bürgerbeteiligung und für die Entwicklung des Projektes „Jeder isst mit!“ den 2. Platz des niedersächsischen Kinder-Haben-Rechte-Preises durch das Land Niedersachsen und den Deutschen Kinderschutzbund Landesverband Niedersachsen.
In Zusammenarbeit mit der Diakonie in Niedersachsen e.V. drehten die Engagierten des Forums Kinderarmut den Kurzfilm „Jeder isst mit!“, um in der politischen Überzeugungsarbeit verständlicher machen zu können, warum gehandelt werden muss. Dieser ist unter folgendem Link einsehbar: https://youtu.be/s_oPRjVfhh8
In den Jahren 2016 und 2017 haben betroffene und nicht-betroffene Ehrenamtliche im Team mehrere Termine in Arbeitsgruppen von Kreis- und Landespolitikern der entsprechenden Fachausschüsse wahrgenommen, um die positiven Ergebnisse des Projektes "Jeder isst mit!" vorzustellen und politische Lösungen einzufordern. Das Projekt war von Beginn an nicht ausschließlich mildtätig angelegt. Es sollte vielmehr politischer Handlungsdruck mit den Ergebnissen aufgebaut werden. Denn allen war klar, dass der Gesetzgeber mit dem Bildungspaket das Ziel, finanziell benachteiligte Kindern Teilhabe zu ermöglichen, verfehlt hat.
Die Erfahrungen des Uslarer Projektes, das auch Kindern aus Bodenfelde zugutekommt, wurde unter anderem im Niedersächsischen Landtag als Beispielprojekt diskutiert und gab einen Anstoß für einen Landtagsbeschluss, in dem die Niedersächsische Landesregierung beauftragt wurde Änderungen beim BuT im Bundesrat einzubringen.
Das Forum Kinderarmut fordert nun den Landkreis Northeim auf, in Erwartung auf die anstehende Gesetzesänderung, den 1 Euro-Eigenanteil pro Mittagessen für BuT-berechtigte Kinder und Jugendliche für einen befristeten Zeitraum landkreisweit zu finanzieren. Ebenso wünscht sich das Forum Kinderarmut eine kreisweite Umsetzung der bewährten Verwaltungsvereinfachung, was bereits durch eine Initiative aus Dassel angefragt wurde. In Uslar und Bodenfelde erhalten Anspruchsberechtigte zum Schuljahresbeginn automatisch eine Bewilligung für die Teilnahme am Mittagessen in der Kita oder Schule, die für ein Schuljahr ausgestellt wird. Dies stellt eine erhebliche Erleichterung für die Familien, aber vor allem auch für die Schulsekretariate und Abrechnungsstellen der Kitas dar!   
Das Uslarer und Bodenfelder Projekt „Jeder isst mit!“ wird bis Januar 2020 zum großen Teil aus Mitteln aus der Region finanziert. 10.000 Euro fließen seit 2014 jährlich aus Mitteln des Diakonieladens „Jacke wie Hose“ der Ev.-luth. St. Johannis-Kirchengemeinde Uslar in das Projekt. Die Stadt Uslar fördert das Projekt seit 2017 bis 2020 mit einem Betrag in Höhe von 5000 Euro jährlich. Darüber hinaus hat die Landeskirche Hannovers aus Mitteln der Initiative „Zukunftsgestalten – allen Kindern eine Chance“ Mittel bis zu 10.000 Euro jährlich bewilligt. Der Kirchenkreis Leine-Solling beteiligt sich aus Mitteln des Flüchtlingsfonds. Darüber hinaus ist das Projekt noch auf Spenden angewiesen.
Das Forum Kinderarmut ist äußerst dankbar für den starken Rückenwind und für die finanzielle Unterstützung von verschiedenen Vereinen, Verbänden und Einzelspendern aus Uslar und Bodenfelde (ebenso des Fleckens Bodenfelde bei den Neujahrsempfängen), sowie der Anschubfinanzierung des Uslarer Lionsclubs und des DRK Ortsvereins Uslar.
Die Mitglieder des Forums Kinderarmut hoffen auf eine baldige Einigung auf Bundesebene und eine schnelle Überbrückung auf Landkreisebene. Das Projekt wurde von Ehrenamtlichen des Forums Kinderarmut unter der hauptamtlichen Begleitung des Diakonischen Werkes Leine-Solling entwickelt und durchgeführt. Umso mehr freuen sich die Engagierten, dass ihr ehrenamtliches Engagement nun Gehör auf Bundesebene fand und der Einsatz seit sechs Jahren für kostenloses Mittagessen nun Früchte trägt.

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