Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Die Seele wärmen, dort wo es kalt ist“

15. November 2018
20 Jahre Notfallseelsorge Foto: Mareike Spillner

20 Jahre Ökumenische Notfallseelsorge im Landkreis Northeim

Es ist 3 Uhr morgens. Der Melder alarmiert lautstark zu einem Einsatz. Der ehrenamtliche
Notfallseelsorger Erhard Krause wird aus dem Schlaf gerissen. Jemand hat einen Suizid
begangen und der Notfallseelsorger rückt aus, um „die Seele zu wärmen, wo es kalt ist.“ Dies
ist nur ein Beispiel für einen Einsatz der Ökumenischen Notfallseelsorge im Landkreis
Northeim, die am vorletzten Samstag ihr 20-jähriges Jubiläum feierte. Dazu hatten Pastor
Matthias Spiegel-Albrecht und Superintendent Jan von Lingen zum Festgottesdienst in die St.
Marcus-Kirche in Imbshausen mit anschließendem Empfang im Schloss eingeladen.

Elf Pastorinnen und Pastoren sowie fünf Ehrenamtliche sind im Landkreis Northeim als
Notfallseelsorger ausgebildet. Sie werden zusammen mit Rettungskräften zum Einsatz
gerufen und leisten seelischen Beistand in Krisensituationen. Die Notfallseelsorge ist ein
ökumenisches Angebot der Kirchen, das Menschen in akuten Krisen wie Unglücksfällen
beistehen soll. Dies geschieht in enger Zusammenarbeit mit den Rettungs- und Hilfsdiensten.

„Wir verstehen Notfallseelsorge als einen Dienst in unserer Gesellschaft, der sich aus den
Bedürfnissen des Gegenübers ableitet. Unsere Grundhaltung orientiert sich am Beispiel des
'barmherzigen Samariters', aber die Hilfe vor Ort kann sehr unterschiedlich sein: Mal ist es ein
Gebet, das Zuhören in dieser schweren Situation oder manchmal auch einfach nur die bloße
Anwesenheit, für den Angehörigen da zu sein“, schilderte Krankenhausseelsorger Matthias
Spiegel-Albrecht, der die Leitung der Notfallseelsorge in diesem Jahr an Erhard Krause
weitergegeben hat. Doch auch ein Seelsorger brauche einmal jemanden zum Reden – und
dafür, für die Supervision, sei das Team da, in dessen geschütztem Rahmen die Erlebnisse
hinterher besprochen würden. Denn die gehen oft nicht spurlos an den Helfern vorbei.

Begonnen hat das Engagement der Kirchen vor 20 Jahren mit der ICE-Katastrophe in Eschede
bei Celle am 3. Juni 1998. Meist gehe es aber um „stille Katastrophen“: Oft stehen Notfallseelsorger den Betroffenen im häuslichen Bereich oder bei Unfällen bei. Sie begleiten Angehörige nach einem Suizid oder plötzlichem Kindstod oder überbringen oftmals gemeinsam mit Polizisten die Nachricht, wenn ein nahestehender Mensch verunglückt ist.

Begleitet werden die Notfallsanitäter bei ihrem Dienst nicht nur von dem eingangs beschriebenen Melder, der sie manchmal auch aus dem Schlaf
reißt, sondern auch von dem Notfallrucksack, der von Einsatz zu Einsatz weitergegeben wird.
„Darin befinden sich zum Beispiel Taschentücher, ein Engelkreuz und ein Teddybär – und
immer braucht es jemanden, der die Seele stärkt. Dabei wird ausgebildet, wer sich engagieren
will – und das sind noch immer zu wenige“, so Spiegel-Albrechts Appell am Schluss.