Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Dort wird Glaube für mich wirklich gelebt!“

11. April 2019
Petra Lorenz Foto: Mareike Spillner

Die neue KKT-Vorsitzende Petra Lorenz über ihren Weg zum kirchlichen Engagement

 

Sie stammt aus einem katholischen Elternhaus, ist 55 und liebt Bücher: Petra Lorenz aus Northeim ist die neue Vorsitzende des Kirchenkreistages (KKT) Leine-Solling. Seit Jahresanfang leitet sie die Sitzungen und gestaltet „das große Ganze“ aktiv mit. „KKT heißt,

 

 

im Großen zu denken – das hat mich nach vielen Jahren kirchlicher Arbeit noch einmal gereizt“, erklärt die Versicherungsfachangestellte, für die Lesen in ihrer Freizeit die absolute

Entspannung bedeutet. Ihr Favorit ist Heinrich Böll, aber auch Romane über das Dritte Reich bewegen sie sehr. Ihr kirchliches Engagement begann, nachdem sie vor 34 Jahren zusammen mit ihrem Mann nach Northeim gezogen war. „Die ersten Jahre arbeitete ich bei der Telekom. Dann wurde ich schwanger, habe die Berufstätigkeit zunächst aufgegeben und beschloss mich ehrenamtlich zu engagieren.“ So startete sie ihr Engagement in der Krabbelgruppe der Apostelgemeinde. „Je größer meine Tochter und mein Sohn wurden, desto mehr steigerte sich mein kirchlicher Einsatz.“ Sie fing an die Kindergottesdienste mitzugestalten. Im Jahr 2000 wurde Petra Lorenz gefragt, ob sie für den Kirchenvorstand kandidieren wolle. Dafür musste die Katholikin erst einmal konvertieren. Seit 2006 ist sie Vorsitzende des Kirchenvorstands. Zwei Jahre später kam der Vorsitz im Gemeindeverband Northeim Südregion hinzu. „Es hat mir sehr viel Freude bereitet, diesen Gemeindeverband mit aufzubauen. Gemeinsam haben wir viel bewirkt in unserer Region. Darauf bin ich stolz!“, sagt Petra Lorenz lächelnd. Glücklich ist sie auch über den Bau einer Krippe zusätzlich zum bestehenden Kindergarten, sowie die Etablierung der Gospelkirche in der Apostelgemeinde. „Jede der Gemeinden in Northeim hat sozusagen einen eigenen Schwerpunkt, ihr eigenes Profil: Egal ob Jugendkirche in Corvinus, Klassikkirche in St. Sixti oder Gospelkirche in Apostel. Wir in Apostel haben uns zum Ziel gesetzt, eine familienfreundliche Gemeinde zu sein. Das zeigt zum Beispiel auch das neue Projekt Kirche Kunterbunt.“

 

Ein Vorbild im Glauben ist für sie ihr Onkel. „Er hat 40 Jahre als Priester im Kongo gelebt und eines hat mich immer sehr fasziniert und beeindruckt: Er errichtete dort mit einem Team Schulen und Kirchen, die immer wieder von Rebellen zerstört wurden. Und doch ließen sie sich nicht unterkriegen. Trotz Niederlagen im Gottvertrauen immer wieder von vorne anfangen. Das ist für mich authentischer Glaube.“ Geprägt hat sie auch eine Freundin, die sie in die evangelische Jugendgruppe mitgenommen hatte. „Dort wurde Gitarre gespielt, es wurden moderne Lieder gesungen, es ging locker und fröhlich zu. Da konnte es auch mal laut werden. Der Glaube hat mich da auf andere Weise berührt. Viele meiner neu gewonnenen Eindrücke habe ich mit nach Apostel genommen.“ Die moderne Kirche ist für Petra Lorenz auf der einen Seite traditionell, andererseits aber auch offen für Neues. „Die Gesellschaft verändert sich, und wir müssen gucken, wie wir den veränderten Bedürfnissen gerecht werden.“

 

Ihr selber hilft der Glaube zum Beispiel bei der Begleitung ihrer alten dementen Mutter. Mit ihr betet sie das Vaterunser, sie liest ihr auch mal einen Psalm vor. Bereits in den vergangenen sechs Jahren engagierte sich Petra Lorenz als Delegierte für die Apostelkirche im Kirchenkreistag, nun hat sie den Vorsitz des Gremiums übernommen. „Eine spannende Aufgabe, in die ich mich jetzt nach und nach einfinde. Ich bin meinem Mann sehr dankbar, dass er voll und ganz dahintersteht und mich unterstützt. Was ich schon sagen kann, ist, dass wir einen tollen KKT-Vorstand haben und uns das Kirchenamt immer freundlich mit Rat und Tat zur Seite steht. Ich freue mich sehr, die 'Arbeit im Großen' noch mehr mitgestalten zu können. Dabei ist es mir wichtig, zu sagen, was ich denke – auch wenn ich manchmal anecke“, sagt Petra Lorenz. Denn eine Ja-Sagerin zu sein, das liegt ihr fern.  

 

INFO: Dem Kirchenkreistag des Kirchenkreises Leine-Solling gehören 63 gewählte Mitglieder an. Sie repräsentieren die Gemeinden und Institutionen zwischen Einbeck, Northeim und Uslar und treffen wichtige Entscheidungen für die etwa 57.000 Gemeindeglieder. Die sechsjährige Wahlperiode des neuen „Kirchenkreisparlaments“ begann im Februar 2019. Die Mehrheit der Mitglieder sind Ehrenamtliche. Der Kirchenkreistag beschließt über den Haushalt, die Verteilung der Finanzen (Finanzsatzung), die Grundstandards (Ziele der Arbeit) und den Stellenplan. Außerdem wählt er den Superintendenten oder die Superintendentin. Der Kirchenkreistag trifft sich drei bis viermal im Jahr in unterschiedlichen Gemeindehäusern oder Kirchen. Für die gemeinsame inhaltliche Arbeit legt er die politischen Leitlinien fest und gestaltet den äußeren Rahmen. Vorbereitet und geleitet wird er von einem Vorstand.