Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

Pfarrsekretärinnen besuchten Erfurt

22. August 2019

Ausflug zu „Trümmerfenstern“, Luthergeschichte und Waidblau

Die „Trümmerfenster“ der Predigerkirche und die Herstellungsorte der Farbe „Waidblau“ in Erfurt waren Stationen eines Ausflugs der Pfarrsekretärinnen des Kirchenkreises Leine-Solling. Bei ihrem Klausurtag in der Lutherstadt Erfurt erfuhren sie viel über die Reformations- sowie die Stadtgeschichte der mittelalterlichen Stadt in Thüringen.

So lernten die elf Sekretärinnen aus den Pfarrbüros zwischen Uslar und Gillersheim unter anderem Erfurts „Blaues Wunder“ kennen. „Die Stadtgeschichte ist eng mit einer Pflanze verbunden, die über Jahrhunderte auf weiten Flächen des Thüringer Beckens angebaut wurden“, berichtete Stadtführer Karl-Heinrich Reich. So verberge sich in den Blättern dieser unscheinbaren Pflanze ein Blau, das Erfurt einst reich machte und dessen Spuren sich noch heute an vielen Stellen der historischen Altstadt finden. Für dessen Herstellung sei Urin nötig gewesen, das in der Stadt unter anderem in den Wirtshäusern gesammelt wurde.
Außerdem ist Erfurt eng mit der Reformationsgeschichte verbunden. Luther war zwischen 1501 und 1505 Student der Sieben Freien Künste an der Universität in Erfurt und studiert dort zunächst Jura. Während eines Gewitters am 2. Juli 1505 bei Stotternheim in der Nähe von Erfurt entschied sich Luther, Mönch zu werden, berichtete der Stadtführer. Anschließend trat er als Novize in das Erfurter Augustinereremitenkloster ein, wo er seine theologische Ausbildung beginnt. Im Erfurter Dom wurde er 1507 zum Priester geweiht. Auch nach Beginn der Reformation besuchte Luther mehrfach Erfurt.

Ein Höhepunkt des Besuchs war der Besuch der Predigerkirche, in dem durch einen Bombenangriff drei farbige Kirchenfenster im Chorraum zerstört wurden. „Der damalige Pastor hat nach der Zerstörung gesagt: Kehrt die Scherben zusammen, sie sind zu schade zum Wegwerfen, wir bewahren sie auf“, so der Stadtführer bei der zweistündigen Führung. Der Restaurator und Glasmaler Hans Hajina habe sie dann zu neuen Kirchenfenstern wieder zusammengesetzt: „Heute könnten Computer vielleicht die alten Fensterbilder wieder zusammensetzen. Aber sehen Sie nur, wie schön die Fenster leuchten!“ Aus Glassplittern entstanden drei neue hohe Kirchenfenster, die als „Trümmerfenster“ zum Frieden mahnen.

Auch eine Andacht und viele Gespräche mit Superintendentenehepaar Stephanie und Jan von Lingen standen auf dem Programm. Sechs Stunden Zugfahrt für sieben Stunden in Erfurt? „Das hat sich gelohnt“, waren sich die Pfarrsekretärinnen unter Leitung der Ephoralsekretärin Kerstin Neddenriep aus der Superintendentur am Ende des Ausflugs einig.