Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

"Ganz" gelungene Premiere

12. Dezember 2019
Foto: Christian Dolle

Wintermärchen „Die goldene Gans“ in der Jugendkirche marie in Einbeck

EINBECK. „Die goldene Gans“ heißt das diesjährige Wintermärchen der Jugendkirche marie in Einbeck. Die goldene Gans? Ist das nicht ein ganz klassisches Märchen, eines, das schon ganz oft erzählt und aufgeführt wurde und noch dazu eigentlich für ganz kleine Kinder geschrieben ist? Ja, vielleicht. Zumindest, wenn man es nicht einfach mal ganz anders macht als andere und es neu interpretiert mit viel Liebe zum Detail und "ganz" viel Wortwitz.
Unter der Leitung von Henrieke Conrad und Louis Fis Francia zusammen mit Jugendpastorin Anne Schrader hat sich das Team des Stoffes der Brüder Grimm angenommen, ihn ordentlich bearbeitet und seine ganz eigene, zeitgemäße Interpretation auf die Bühne gebracht.
Die feierte nach dreimonatiger Probenzeit am vergangenen Samstag Premiere und sorgte erst einmal für volles Haus. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch.
Nun, die Geschichte folgt weitestgehend der literarischen Vorlage. Ein Vater (Tobias Gitzig) schickt seine älteste Tochter (Helena Deiters) in den Wald, um einen Baum zu fällen. Dort trifft diese auf Waldgeist Nelanie (Leonie Tostmann), ignoriert diesen aber. Das führt dazu, dass sie sich beim Baumfällen einen Splitter holt, abbrechen und ohne Baum, aber mit viel dramatischer Wehleidigkeit nach Hause zurückkehren muss. Daraufhin zieht die zweite Schwester (Anna-Lena Böker) los, mit einem ganz ähnlichen Ergebnis. Nun endlich darf der jüngste Sohn (Benedikt Reichardt) sein Glück versuchen.
Er teilt mit Nelanie seinen Proviant, dafür erhält er nicht nur den Baum, sondern auch noch eine goldene Gans (Henrieke Conrad). Als er diese mit nach Hause bringt, bleiben jedoch seine Schwestern und auch sein Vater an ihr kleben und kommen nicht mehr von ihr los.

Währenddessen spielt sich im benachbarten Schloss eine Tragödie ab, denn die Prinzessin (Svenja Thimm) hat ihr Lachen verloren und die Königin (Sharleen Dauer) und Beraterin Karmen (Jana Bracharz) suchen verzweifelt nach irgendetwas, das das arme Kind wieder fröhlich macht. Zwischendurch zieht die Königstochter sogar schon selbst in den Wald, um ihr verlorenes Lachen zu suchen, und das, obwohl ihre Mutter fürchtet: „Sie könnte dort wilden Tieren begegnen! Oder stolpern! Oder über wilde Tiere stolpern!“
Dieser Humor war so pointiert gespielt, dass er beim Publikum absolut zündete, zumal es Wortspiele waren, die in jedem Alter funktionieren, nicht bissig gegen irgendjemanden sind, sondern das altbekannte Märchen mit einem Augenzwinkern versahen und es neu erlebbar machten. Spätestens als die Beteiligten an der Gans klebend feststellten, dass sie „ganz schön hängengeblieben“ sind und dass das „ganz und gar nicht zum Lachen“ ist, hatten die Darsteller ihr Publikum erobert und das Happy End geriet zu einem großen Fest, das sich unmittelbar auch auf die Zuschauerränge übertrug.

So fand am Ende eben nicht nur die Prinzessin ihr Lachen wieder, sondern auch alle anderen in der Kirche, die hohen Erwartungen wurden also voll erfüllt. Im Zuge der Dankesworte an das gesamte Team, also auch diejenigen, die nicht im Rampenlicht standen und ebenso wichtige Arbeit leisteten, ergriff dann noch einmal Anne Schrader das Wort, als Pastorin, so sagte sie, dürfe sie das. „Das hier ist auch Kirche“, erläuterte sie den Gedanken hinter dem Wintermärchen, „Wir schaffen Raum, um sich selbst auszuprobieren.“ Wie wichtig das ist und wie schön das sein kann, daran gab es an diesem Abend keinen Zweifel.