Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

Alt werden wir alle – nur wie?

05. März 2020
Foto: Christian Dolle

Vortrag zum Thema Altersarmut von Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler

KIRCHENKREIS. Der Anteil der Menschen, die älter als sechzig Jahre alt sind, wird in den nächsten zehn Jahren prozentual deutlich ansteigen. Gleichzeitig wird das Niveau der Renten dadurch sinken, da immer weniger Junge für immer weniger Alte mitverdienen müssen. Somit ist das Problem der Altersarmut vorprogrammiert – auch im Kirchenkreis Leine-Solling. Bei der jüngsten Kirchenkreissynode wurde das Thema auf die Tagesordnung gehoben. Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler informierte über die Fakten und eigene Erfahrungen, die er bereits heute macht.

Was die verschobene Bevölkerungspyramide angehe, sei Deutschland im europäischen Vergleich weit vorne, so Marco Spindler. Vor allem, wenn die sogenannten „Babyboomer“ ab 2030 in den Ruhestand gehen, geht das theoretische Konzept, dass die Jungen für die Renten der Alten aufkommen, rechnerisch nicht mehr auf. Zwar steige die Geburtenrate aktuell, doch ein Knick bleibe dennoch, erläuterte er. „Der kann dann höchstens mit Zuwanderung ausgeglichen werden.“
Der Landkreis Northeim, so führte er aus, liegt voll im Schnitt, die Zahl der Über-65-Jährigen werde hier in zehn Jahren voraussichtlich bei 63,6 Prozent liegen. Damit werden auch ein heutiges mittleres bis gutes Einkommen die Existenzsicherung im Alter nicht unbedingt gewährleisten. Viele Menschen fallen damit unter die Armutsgrenze.
Besonders gefährdet seien hier Solo-Selbständige, Teilzeitbeschäftigte, Geringverdiener, chronisch Kranke bzw. Menschen mit Behinderung und auch Frauen, die durch ihre familiäre Situation geringere Beitragszeiten aufweisen. Während heute 100 Erwerbstätige für 44 Rentner aufkommen, könnten es im Jahr 2050 bis zu 78 Rentner sein. Hinzu kommen die Inflationsrate, die für geringere Kaufkraft sorgt, ein steigender steuerpflichtiger Rentenanteil und einige Faktoren mehr.

Für viele Rentner kann ein Minijob eine Möglichkeit sein, die Einnahmen aufzubessern. Für andere kommen nur geringere Wohnkosten oder eine generelle Reduzierung des Lebensstandards infrage. Bei der Inanspruchnahme von Grundsicherung gibt es eine hohe Schamgrenze, so Spindlers Erfahrungen. Hinzu kommt ein nicht unerheblicher bürokratischer Aufwand. Zudem beobachtet er, dass für immer mehr Menschen Energiekosten und Nachzahlungen ein Problem darstellen, ebenso wie Zuzahlungen bei Brillen oder Zahnersatz. Auch geeigneten Wohnraum zu finden, wird zunehmend schwerer, sei es, weil Wohnungen nicht barrierefrei sind oder aber anstehende Reparaturen etc. das Budget übersteigen.
Selbst die eigenen Kinder wissen manchmal nichts von der Notlage, erzählte er. So habe er einen Fall erlebt, wo sich jemand einmal in der Woche ein Gericht aus einer benachbarten Gaststätte holte und davon dann sieben Tage lang lebte.

Andere haben seit 15 Jahren keine neue Winterkleidung gekauft, wieder andere wollen sich nicht von einem geliebten Hund trennen, so dass ein Umzug ins Heim unmöglich wird. Einsamkeit und Isolation sind die Folge, schon heute und in erschreckender Weise.
Daher appellierte er an die Vertreter aus den Gemeinden, die Augen für solche Notlagen offen zu halten und bei Bedarf professionelle Dienste einzuschalten. Wenn keine anderen Leistungen beantragt werden können, wäre es manchmal durchaus ratsam, Diakoniemittel einzusetzen, denn in der Regel sei das Geld ja da. Zudem können Projekte wie Besuchsdienste, Mobilitätshilfen, ein gemeinsamer Mittagstisch oder was auch immer durchaus ein Weg sein, um ältere Menschen zu unterstützen und das auf uns zukommende Problem zumindest ein bisschen abzumildern.