Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Es war schon immer das, wofür mein Herz schlägt“

23. April 2020
Luitgardis Parasie; Foto: privat

Luitgardis Parasie über ihren Dienst als Pastorin und ihre Online-Verabschiedung


NORTHEIM. Sie ist Autorin, dreifache Mutter, systemische Familientherapeutin und leidenschaftlich gerne Gemeinde-Pastorin: Luitgardis Parasie. 20 Jahre war die Northeimerin mit dem vielseitigen Lebenslauf Pastorin für Langenholtensen, Wiebrechtshausen und Brunstein. Am 26. April sollte eigentlich ein großer Verabschiedungs-Gottesdienst mit anschließendem Fest stattfinden. Doch Corona kam dazwischen. Nun findet der Abschied eben online statt – per Youtube-Gottesdienst unter KircheLahoTV und von der Pastorin selbst gestaltet. Corona macht erfinderisch. „Und es ist eine neue Intensität geistlichen Lebens spürbar“, findet die 65-Jährige. „Die Sehnsucht, einen Halt zu haben, ist jetzt bewusster.“ So haben die Gottesdienste auf Youtube bis zu 900 Klicks und es erreichen sie viele positive E-Mails, Kommentare und Nachrichten.

Wer schon einmal einen Gottesdienst von und mit Luitgardis Parasie erlebt hat, den überrascht es sicher nicht, dass sie auf den letzten Metern vor ihrem Ruhestand noch einen
Youtube-Kanal ins Leben ruft. Die Faszination am Journalismus war ihr schon immer mitgegeben. „Mein Vater war mit Leib und Seele Journalist“, beschreibt die Pastorin. Er war Flame, stammte aus dem holländischen Teil Belgiens. Daher kommt ihr besonderer Name – wobei sie vielen der Einfachheit halber unter dem Spitznamen Lui bekannt ist. Schon seit jeher verwirklicht die Powerfrau ständig neue Ideen, geht andere Wege. „Der geistliche, theologische Auftrag war schon immer das, wofür mein Herz schlägt“, betont sie. Der Glaube gebe ihr sehr viel Sinn im Leben und sei ihr Auftrag von Gott. Heutzutage müsse man als Pastor schauen, wie man die Menschen erreichen könne. Zum Beispiel damit, den Kindergottesdienst parallel zum Gottesdienst für Erwachsene stattfinden zu lassen. Bands einzubeziehen. Stärken zu bündeln. Die Ehrenamtlichen zu kirchlichen Projekten und Aufgaben zu animieren. Und vor allem zum Glauben zu führen. Die Kinderbibelwoche mit bis zu 60 Kindern in den Spitzenzeiten und der jährliche Glaubenskurs sind mittlerweile die Markenzeichen der Gemeinde in Langenholtensen. Und natürlich die Partnerschaft mit der Diakonie in Tandala/Südwesttansia. Letzten Sommer war zum zweiten Mal eine siebenköpfige Lehrergruppe für eine Woche in Northeim und Langenholtensen zu Gast.

Pastorin Parasie sei eine Grenzgängerin zwischen Verkündigung und Lebensrat, zwischen Volkskirche und missionarischem Gemeindeaufbau, so Superintendent Jan von Lingen. Als Pastorin habe er sie so erlebt: „Christsein undercover ist nicht ihre Sache.“ Pastorin Parasie stelle einen Anspruch an ihre Gemeinde, nämlich sich zu fragen, was Christsein bedeutet. „Als Pastorin kann sie begeistern, überzeugen und binden, aber auch Widerspruch erzeugen. Sie befähigt und ermutigt viele Ehrenamtliche die Gemeinde mitzugestalten“, so von Lingen. Beten, Andachten halten, Segnen und Abendmahl austeilen – all das werde im Gottesdienst gemeinsam gestaltet. Ganz im Sinne des protestantischen „Priestertums aller Gläubigen". Und ihr Kollege von der Nortsicht, Wulf-Ingo Prange, ehemaliger Journalist und späterer Lehrer, ergänzt: „Wenn ich Luitgardis Parasie mit drei Attributen umschreiben müsste, dann wären dies: Entschieden christlich – erstaunlich innovativ – ernsthaft den Menschen zugewandt.“

Die Gemeinde hat in den letzten 20 Jahren konsequent das Konzept einer missionarischen Gemeinde durch geistlichen Gemeindeaufbau entwickelt und umgesetzt, so Jan von Lingen. Per Beamer werden die Eingangsliturgie wie auch alle Lieder eingeblendet. Familien sind gern gesehen, Kinder werden im Gottesdienst gewürdigt und kommen in einem Kindergottesdienst zu ihrem Recht. Pastorin Luitgardis Parasie gewinnt Ehrenamtliche und entwickelt eine Beteiligungskirche, die von einem im Alltag gelebten Glauben geprägt ist. Trotz der halben Pfarrstelle findet jeden Sonntag ein Gottesdienst statt. Die Gruppe „Andacht aktiv" übernimmt die Gestaltung von rund 20 Gottesdiensten im Jahr mit eigenen Liturgien und Texten.

„Für all das braucht es Leute mit einer spirituellen Vision für ihre Gemeinde – und die wurden mir hier nach und nach an die Seite gestellt“, erklärt die Northeimerin lächelnd. Sie sei sehr dankbar für die wundervolle Zeit in Langenholtensen. „Es war sehr sinnstiftend und mir hat die Gemeindearbeit große Freude bereitet. Das wird mir kolossal fehlen.“ Den nötigen Rückhalt hat ihr dabei ihre Familie gegeben. „Es ist ein riesiges Geschenk, dass mich mein Mann bei allem so unterstützt hat!“, sagt die Pastorin abschließend. Sei es als kritisches Korrektiv beim Lesen ihrer Artikel, bei der Männerband oder beim Filmen von Gottesdiensten. Doch langweilig kann es Luitgardis Parasie auch in Zukunft kaum werden: Nach Italienisch- und Französisch-Kursen an der Volkshochschule ist nun auch noch Spanisch an der Reihe. Denn da gebe es ja dieses Krankenhaus in Peru. Ihr Mann – Theologe, Allgemein-Mediziner, Psychotherapeut und ebenfalls Autor – sei kürzlich erst von dort zurückgekehrt. Sicher sei es eine Vision, dort unterstützend tätig zu sein… Und dann wären da noch ihre Hobbys: das Joggen, Walken, lesen und Klavierspielen. Freitags sei immer Tanzkurs. Und natürlich das Schreiben. „Liebe braucht Grenzen“, sei vielleicht ein Thema – falls es denn aktuell gefragt sei. „Aber egal um was es geht: Man muss für ein Thema brennen!“, gibt die Theologin noch mit auf den Weg, bevor sie herzlich lächelnd Auf Wiedersehen sagt.

Infokasten Vita:
Nach ihrem Abitur am Gymnasium Walsrode folgte das Studium der evangelischen Theologie in Bethel, Heidelberg und Tübingen. Während dessen besuchte Luitgardis Parasie einen dreiwöchigen Journalisten-Intensivkurs und schrieb anschließend für die Jugendseite des Rheinischen Merkurs. Zwischen dem Ersten theologischen Examen 1978 in Karlsruhe und dem Zweiten 1980 in Hannover verbrachte sie das Vikariat in Göttingen. Von 1981 bis 1993 arbeitete sie als Pastorin in Sudershausen und war 1994/95 Berufsschulpastorin in Göttingen. Zwischen 1994 und 1996 absolvierte sie eine Zusatzausbildung für Systemische Therapie und Beratung sowie eine Ausbildung in Gruppentraining sozialer Kompetenzen. Seit Juni 2000 war sie Pastorin der Kirchengemeinde in Northeim-Langenholtensen. Zum 1. Mai 2020 geht sie in den Ruhestand. Ihre Nachfolge wird Elisabeth Knötig übernehmen. Als Autorin schreibt Luitgardis Parasie für verschiedene christliche Zeitschriften und erstellte gemeinsam mit ihrem Ehemann eine Ratgeberserie. Von 2012 bis 2018 war sie in der wöchentlichen Radiosendung des NDR 1 „Darf ich das? – Gewissensfragen im Alltag“ zu hören. Seitdem wirkt sie ebenfalls auf NDR 1 bei der Radiosendung „Zwischentöne“ mit. Daneben arbeitet sie bei ERF Medien sowie als Autorin für den Neukirchener Kalender. Im April 2013 trat sie gemeinsam mit Christine Neubauer in einer ZDF-Sendung von Peter Hahne zum Thema Film trifft auf Wirklichkeit über Josh Broeckers Fernsehfilm Die Pastorin auf. Im April 2016 trat sie zusammen mit Ministerpräsident Bernhard Vogel ein weiteres Mal in derselben Reihe auf, diesmal zum Thema: Nach dem Tod nur Lob? – Wie viel Wahrheit passt zum Nachruf? Luitgardis Parasie ist seit 1976 mit dem Theologen, Arzt und Psychotherapeuten Jost Wetter-Parasie verheiratet. (Quelle: Wikipedia)

Luitgardis Parasie und die Nortsicht,
ein Votum von Wulf-Ingo Prange:


„Sie ist die Frau der ersten Stunde. Zusammen mit dem damaligen Superintendenten Heinz Behrends und mir entwickelte sie das Konzept eines übergemeindlichen evangelischen Magazins für die Kirchengemeinden Corvinus, Langenholtensen und St. Sixti. Dieses kirchliche Magazin sollte zum einen entschieden christlich wichtige Themen aufgreifen, nicht binnenkirchlich sein und zum anderen Stellung beziehen. Flott aufbereitet und monothematisch. Das Redaktionsteam bereitet nach langen Diskussionen dann die zukünftige Ausgabe vor. Und klar, journalistisch erfahren, wie Lui damals schon war als Schriftstellerin und Autorin von Lebensratgebern, die sie mit ihrem Mann Dr. Jost Wetter-Parasie herausgab, als Autorin für verschiedene evangelische Medien, konnte die Redaktion immer auf ihr publizistisches Know How, ihre theologische Kompetenz und auf ihren Sachverstand bauen. Das hat Spaß gemacht! Auch bei Kontroversen war immer zu merken: Die Nortsicht ist ihre Herzensangelegenheit. 18 Jahre Nortsicht sind eine lange Zeit… Anlässlich des 10-jährigen Geburtstags gab die Redaktion ein Buch heraus: „Beten, Sex und Aberglaube" - Geschichten zum Abheben. Über den Titel musste sie so herzhaft lachen, genau wie unlängst über die tansanischen Gäste in Langenholtensen, die vor Begeisterung über den christlichen Glauben einiger Konfirmanden in ein begeistertes Halleluja ausbrachen. Gemeinsam mit dem Redaktionsteam hielt sie die Nortsicht über die ganzen Jahre hinweg auf Kurs: entschieden evangelisch, streitbar für die Sache, mit Engagement und immer mit einem Augenzwinkern und Herzenswärme.“


Luitgardis Parasie schreibt:
„Mir bleibt derzeit nichts, als mich auf unserem seit Ende März etablierten und sehr gut angenommenen YouTube Kanal KircheLahoTV zu verabschieden. Viele von euch haben dort schon unsere Kurzandachten zu aktuellen Themen angesehen, und unser Ostergottesdienst hat derzeit 930 Aufrufe. Das könnt ihr dann bei meinem Abschiedsgottesdienst noch toppen ;-) Er wird vielleicht ein bisschen länger als die Kurzandachten, aber maximal 12 bis15 Minuten. Ab Sonntagmorgen könnt ihr ihn auf KircheLahoTV angucken und mich virtuell mit verabschieden, gerne auch mit Kommentaren unter der Sendung."