Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

BERICHT: Kirchenmusik mit Zollstock und Stimmgabel

17. September 2020
Ohne Abstand geht nichts: Über erste Chorproben in Coronazeiten berichteten Kreiskantor Benjamin Dippel und Kinderkantorin Meike Davids bei der Jahreskonferenz der Kirchenmusiker und der Kirchenkreiskonferenz. Foto: Jan von Lingen

Kirchenkreis tagte mit Kirchenmusik

Sie kamen mit Maske und saßen mit Abstand: Groß genug war die Münsterkirche St. Alexandri in Einbeck, um die rund 50 Gäste aus dem Kirchenkreis Leine-Solling aufzunehmen. Bei der gemeinsamen Abendveranstaltung von Pastorinnen und Pastoren, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusikern sowie Diakoninnen und Diakonen ging es vor allem um ein Thema: "Gottesdienst und Kirchenmusik in besonderen Zeiten". Dies war zugleich die Jahreskonferenz der nebenberuflichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in den Kirchen- und Kapellengemeinden. Für alle war es die erste große Konferenz auf Kirchenkreisebene seit März.
"Seit Mitte März erleben wir verordnete Stille", begann Kreiskantor Bejmanin Dippel seinen Vortrag über die Einschränkung der Kirchenmusik. Neben Noten und Stimmgabel gehöre heute auch ein Zollstock in die Tasche eines Kirchenmusikers. Nur so lasse sich der Abstand ermitteln. Er berichtete von dem Hygienekonzept und der Raumplanung für die Kantorei in Northeim. "Der Kirchenvorsand musste das Konzept beschließen und das Ordnungsamt dieses genehmigen". Allerdings ist die Kantorei der Sixti-Gemeinde eine der wenigen Chöre, die bereits wieder proben. Aufführungen sind zurzeit noch nicht geplant. Jetzt gehe es um eins, so Kreiskantor Dippel: "Mit äußerster Vorsicht das möglich machen, was geht." Dies bedeute auch Singen im Freien, im Zelt, in einer Scheune, einem Festsaal, Hauptsache mit Luft und Licht: „Wir fahren auf Sicht.“
„Suchen Sie große Orte für Heiligabend – am besten draußen“, motivierte Superintendentin Stephanie von Lingen in ihrem Bericht. Unter dem Motto „Wie die Hirten auf dem Felde“ seien auf Plätzen Abstand und sogar Gesang möglich. Zwar sei dies wetterabhängig, vielleicht helfe ein Regenschirm aber auch, um Abstand zu halten. Auch „mobile Weihnachtsandachten“ mit Treckeranhänger oder Stationengottesdienste seien denkbar. Dabei seien frühe Abstimmungen nicht nur mit dem Ordnungsamt, sondern auch mit den Kirchenmusiker*innen nötig, denn auf jeden Fall werde es mehr Gottesdienste als sonst geben, um möglichst allen einen Gottesdienstbesuch an Heiligabend zu ermöglichen: „Unsere Kirchen sind erst für den 1. und den 2. Weihnachtstag Orte erster Wahl“. Superintendent Jan von Lingen ergänzte mit einem Zitat aus dem Gesangbuchlied: „´Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, liegt oft im Hafen fest´ – heute stimmt das. Aber wir lassen viele kleine Beiboote zu Wasser. Jetzt ist die Zeit der ´kleinen Formen´, wie man in den kleinen Konfirmationsgottesdiensten sehen kann. Auch in der Kirchenmusik ist es die Zeit der kleinen Ensembles und der Solisten.“
Mit einer Kartenaktion konnten die Gäste ihre Eindrücke zu verschiedenen Themenbereichen einbringen. Besonders geschätzt wurden Professionalität und Flexibilität der Kirchenmusiker*innen, gewünscht wurde die Einführung moderneren Liedguts.
Mit neuen Liedern schloss auch die einstündige Veranstaltung. Zu hören war ein „Medley“ aus dem neuen Beiheft zum Evangelischen Gesangbuch. Das Beiheft zum Gesangbuch mit dem Titel „freiTöne“ wird inzwischen in vielen Gemeinden eingesetzt. In einer Umfrage wurden Pastorinnen und Pastoren sowie die Kirchenmusiker*innen nach ihren meistgesungenen Liedern gefragt. In seiner musikalischen Liedzusammenstellung präsentierte der Beauftragte für Popularmusik und Leiter der Gospelkirche Northeim, Matthias Vespermann, das Ergebnis gemeinsam mit Kreiskantorin Ulrike Hastedt. So kommen moderne „Klassiker“ wie „Da wohnt ein Sehnen tief in uns“, „Vergiss es nie“ und „Du bist da“ auf die ersten drei Plätze der „Top Ten“.
Rund 200 Lieder sind in elf Themenbereichen eingeordnet, erklärte Kreiskantor Ole Hesprich bei der Vorstellung der Ergebnisse, unter ihnen sind Themen wie Vertrauen und Glaube sowie Liturgiestücke. „Fünf Vaterunser-Lieder, 11 Kyriegesänge und 16 Credo-Liedern laden dazu ein, die Liturgie neu zu gestalten und Gebete gemeinsam zu singen“, so Hesprich. Weitere häufig gesungene Lieder sind „Die Seele wird frei“, „Du bist ein Gott, der mich anschaut“, „Wo Menschen sich vergessen“, „Weise uns den Weg“, „Ich seh empor zu den Bergen“, „Lobe den Herrn meine Seele“ sowie „Wenn das Brot, das wir teilen“.
„Das war eine wunderbare Stunde eben in Einbeck“, so die Rückmeldung eines Pastors nach der Veranstaltung: „Informativ und innovativ und gleichzeitig ein aktiv praktiziertes Beispiel, was in Coronazeiten möglich ist."