Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Ich wende mich den Patienten im Hier und Jetzt zu“

01. Oktober 2020
Foto: Mareike Spillner

Pastor Martin Possner ist neuer Seelsorger im Maßregelvollzug Moringen

Mitte Juli wurde er nach 16 Jahren als Pastor in den Gemeinden Emmaus Dassel und Lauenberg-Hilwartshausen verabschiedet, vergangene Woche als Seelsorger im Maßregelvollzugszentrum Moringen eingeführt: Martin Possner.  Superintendentin Stephanie von Lingen fand während der Verabschiedung persönliche Worte: „Du hast mit den Menschen in deiner Gemeinde viel Neues auf die Beine gestellt. Aber eben nicht aktionistisch, sondern so, dass die Herzen sich öffnen und der Glaube sich vorsichtig heraustrauen konnte.“ Pastor Martin Possner habe sich zwischen Dassel und Mackensen, Relliehausen und Hilwartshausen bis nach Lauenberg unter anderem für besondere und innovative Formate in der Kirchenregion stark gemacht. „Du bist Teamplayer, sowohl in der Zusammenarbeit mit Hauptamtlichen als auch mit den vielen Ehrenamtlichen hier vor Ort“, fasste Stephanie von Lingen zusammen. Ihm sei bewusst, dass die Pastorenarbeit in Südniedersachsen mit den vielen kleinen Dörfern, den weniger werdenden Pfarrstellen und den verschiedensten Lebensgeschichten nur noch Seite an Seite funktioniere. So könne eingelöst werden, was sich die Menschen von Kirche am meisten wünschen: „Dass wir da sind, wenn wir als Pastor und Pastorin am meisten gebraucht werden. Dann eben, wenn die Seele ins Trudeln gerät oder das persönliche Glück einen Segen für den langen Weg braucht“, hieß es.
Und genau diese Kernaufgabe als Pastor wird Martin Possner als Seelsorger im Maßregelvollzugszentrum in Moringen fortsetzen. Natürlich ist diese Stelle mit einigen Besonderheiten verbunden. Seelsorgerinnen und Seelsorger im Maßregelvollzug begleiten Menschen, die gleich zweifach stigmatisiert sind: Sie sind psychisch krank und haben eine Straftat begangen. Die Begleitung in Moringen ist ökumenisch. Martin Possner hat mit Ursula Schröder-von-Oesen eine evangelische Kollegin und mit Joachim Hoffknecht auch einen katholischen Pastoralrefenten zur Seite, der ebenfalls neu in seine Aufgabe eingeführt wurde.
Werden Menschen, die eine Straftat begangen haben, aufgrund ihrer psychischen Erkrankung für schuldunfähig oder vermindert schuldfähig erklärt, so werden sie nicht zu einer Haftstrafe, sondern zur Unterbringung in einer Klinik des Maßregelvollzugs verurteilt. In Moringen gibt es zwei Kliniken: eine geschlossene, psychiatrische in Haus B, und eine offene in Haus A, in der zum Beispiel auch Suchtpatienten therapiert werden. Die Unterbringung erfolgt zeitlich unbefristet. Die Behandlung und „Sicherung“ dieser Menschen stehen im Vordergrund – damit sie nach einer ausgiebigen Therapie und einer gewissen Zeit wieder in einen Alltag zurückfinden können. „Eine anspruchsvolle Aufgabe, aber auch eine sehr erfüllende“, verrät Martin Possner. „Grundlage der Seelsorge im Maßregelvollzug ist die Überzeugung, dass jeder Mensch als Gottes Ebenbild geschaffen ist und dass keine Tat – so schrecklich sie auch sein mag – diese Ebenbildlichkeit eines Menschen aufheben kann. Die Fragen nach Schuld und Verantwortung, nach Vergebung und einem neuen Anfang gehören hier in besonderer Weise zur seelsorglichen Begleitung“ – heißt es auf der Homepage der EKD.
„Hinter jedem Menschen liegt eine Straftat, aber auch eine schwerwiegende Krankheit. Über die Straftat haben Richter bereits entschieden. Ich bin der, der sich den Patienten zuwendet, nicht in die Vergangenheit, sondern ins Hier und Jetzt und in eine positive Zukunft schaut“, erklärt Martin Possner. Seit einem Jahr hat er bereits einen Stellenanteil in Moringen – das Konzept der Landeskirche sei hier Überlappung statt Vakanz. So konnte sich Martin Possner bereits gut in seine neue Stelle einfinden und mit seinem Vorgänger Friedrich Schwenger Seite an Seite arbeiten. „Und ein weiterer großer Vorteil: Ich habe viele Menschen kennengelernt, bevor die Masken kamen“, ergänzt er. Als Seelsorger ist er nicht nur für die Patientinnen und Patienten, sondern auch für die Mitarbeitenden im Maßregelvollzug da. Seine Kollegen und er bieten seelsorgliche Einzelgespräche und Seelsorgegruppen an und laden 14-tägig zu Gottesdiensten unter allen Corona-Auflagen ein. Besonders erfüllend sei es, wenn die Dankbarkeit und der Fortschritt der Patienten spürbar werden: „Wenn kleine Entwicklungsschritte sichtbar werden, Verlegungen vom B- in den A-Bereich erfolgen, weil medizinische, therapeutische, pflegerische und seelsorgerliche Arbeit angeschlagen haben.“
Bei der Einführung von Martin Possner im Maßregelvollzugszentrum betonte Superintendent Jan von Lingen: „Sie erleben eine unkomplizierte Kontaktaufnahme, haben keine Ängste oder Vorbehalte, besuchen die Konferenz der Stationsleitungen, führen Einzelgespräche und begleiten Gruppen – so gut es zurzeit geht“. Besonders wichtig sei für Pastor Possner die Dietrich-Bonhoeffer-Kapelle auf dem Grundstück: „Ein Geschenk und ein Juwel, sagen Sie: Raum für Vergebung und Versöhnung, sichtbares Zeichen der Gegenwart Gottes. Sie werden auch hier mit Herz und Seele Pastor sein.“