Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Kindergottesdienst

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Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Auf dem Weg ist mir so Vieles begegnet…“

26. November 2020
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Pastor Burkhard Stimpel wird am Sonntag in Uslar in den Ruhestand verabschiedet

USLAR.
Seine Abschiedstour durch die Dörfer Vahle und Dinkelhausen Anfang November hätte sich Pastor Burkhard Stimpel schöner nicht vorstellen können. Lauter wunderbare Abschiede mit ganz viel Dankbarkeit, Herzlichkeit, guten Wünschen und ebenso fantasievollen wie liebevollen Geschenken. „Die Schweizer Kuhglocke aus der Kindheit, der Filzhut aus der Jugend und der Talar aus der 40-jährigen Tätigkeit entsprachen äußerlich dem inneren Erleben: Meine Lebensphasen bilden eine Einheit“, sagt der Pastor, der nach 28 Dienstjahren in Uslar und den Dörfern Vahle, Dinkelhausen und Sohlingen am Sonntag, 29. November, um 14 Uhr in einem feierlichen Gottesdienst mit Superintendentin Stephanie von Lingen und geladenen Gästen in der St. Johanniskirche in Uslar in den Ruhestand verabschiedet wird.
Bereits als Jugendlicher bei Amnesty International stellten sich Burkhard Stimpel Fragen wie: Was motiviert Menschen dazu, sich gewaltlos für Demokratie, Gerechtigkeit, Meinungs- und Religionsfreiheit sogar dann einzusetzen, wenn sie in Diktaturen damit Leib und Leben riskieren? Und andersherum: Warum unterdrücken, foltern und töten Menschen andere Menschen? Die das alles zusammenfassende Frage „Was bewegt Menschen zum Handeln?" wurde gut, hilfreich und weiterführend im Religionsunterricht besprochen – besonders mit einem katholischen Kaplan. „Ich wollte mit Menschen zu tun haben, aber weder ausschließlich Lehrer noch Psychologe noch Sozialarbeiter werden. Meine Ahnung, das alles als Pastor sein zu können, hat sich bewahrheitet“, blickt Pastor Burkhard Stimpel zurück. Im Vikariat habe er schnell festgestellt, wie wahr das Paulus-Wort von den vielen Gaben in der Gemeinde über das hinaus ist, was er bisher erlebt hatte und sich vorstellen konnte.
Auf die Frage, was ihm sein Glaube – gerade in diesen Zeiten – bedeutet, antwortet Burkhard Stimpel: „Er fragt mich, den Adam: ‚Wo bist du? Was bestimmt Dich gerade jetzt? Was bedeutet es in dieser oder jener Lage, dass Du in dem heilvollen Zusammenhang stehst, der weit über Dich hinausgeht? Was bedeutet es für Dich, dass Gott sich für Dich interessiert? Und so unvollkommen Deine Antworten und Dein Leben auch immer sind: Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig – also auch in Dir, Burkhard. Was siehst Du, wenn Du versuchst, Dich selbst, die Mitmenschen und die Schöpfung mit den Augen Gottes anzusehen? Also geh hin und tu desgleichen. Und wenn Dir etwas gelingt: Was hast und bist Du, was Du nicht empfangen hast?"
Rückblickend stellt der Pastor dankbar fest, dass er in den vergangenen Jahren so viele schöne Erlebnisse in völlig unterschiedlichen Bereichen erlebt hat, wie es in nicht vielen Berufen möglich sei. Da sei zum Beispiel die ausgelassene Freude erwähnt, Gottesdienste mit eigener Musikgruppe und speziell für Sportvereinsgruppen mit von ihm selbst choreographierten, liturgischen Tänzen gefeiert zu haben. Der Pastor ergänzt: „Eine ganz andere Freude ist die mich selbst tröstende Aussage, in der Notfallseelsorge oder einer Trauersituation für die Betroffenen hilfreich gewesen zu sein.“ Und wieder eine andere Freude bereitet ihm, dass das sogenannte „Normale" läuft. Denn das sei nur scheinbar selbstverständlich. Ein weiterer Höhepunkt sei die dreimonatige Pilgerzeit im Rahmen eines Studiensemesters mit dem Fahrrad auf der iberischen Halbinsel gewesen. In den Worten eines eigenen Liedes ausgedrückt: „ER sprach: Geh aus und such, das wird den Horizont weiten. So erlebte ich in iberischen Breiten erfüllte, fast paradiesische Zeiten; zum Kapitel wurden einst einzelne Seiten. Dazu war ich und damit bleib ich gesegnet, auf dem Weg ist mir so vieles begegnet. So wunderbar, wie die Erlebnisse verliefen, werden sie weiter mein Leben vertiefen.“

Im Jahr 2016 war er den Jakobsweg in Portugal und Spanien gereist und war bei Wind und Wetter, Starkregen und Hitze, auf stillen Radwegen und vielbefahrenen Bundesstraßen unterwegs. Zu den per Fahrrad zurückgelegten 1730 km gehörten denkwürdige Begegnungen mit Pilgern aus aller Welt und enthusiastischen Fußballfans, großherzige Gastfreundschaft in Spanien und Portugal und sogar Überraschungen auf jüdischen Friedhöfen. Mit Bildern, Videos, Musik, Geschenken und Erzählungen hatte Pastor Burkhard Stimpel in der Gemeinde berichtet.  
Seine Frau und er sind bereits umgezogen – aber nicht weit weg: in den Uslarer Ortsteil Eschershausen, 2,5 Kilometer von der Uslarer Johanniskirche entfernt. Stimpel bemerkt dazu mit einem Augenzwinkern: „Kann ich sehr empfehlen: Erst umziehen, danach die Verabschiedungen. Es mag äußerlich-organisatorisch zwar beides zugleich zusammengehen; aber innerlich ist das Erleben so intensiver. Alles hat seine Zeit.“ Eines möchte er seinen Gemeinden zum Abschied gerne noch mit auf den Weg geben: „Dass sie Freude daran haben, zu entdecken, was Gott mit ihnen noch alles vorhat.“