Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

Landrätin überreicht Verdienstkreuz am Bande

17. Dezember 2020
Von links: Wolf-Dieter Haardt, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Manfred Hickmann, Foto: Carolin Diedrich, Landkreis Northeim

PRESSEMITTEILUNG AUS DEM LANDKREIS NORTHEIM:
Wolf-Dieter Haardt und Manfred Hickmann werden ausgezeichnet
v.l.n.r. Wolf-Dieter Haardt, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel, Manfred Hickmann © Landkreis Northeim   Anzeige in Originalgröße  Wolf-Dieter Haardt aus Katlenburg-Lindau und Manfred Hickmann aus Göttingen haben von Landrätin Astrid Klinkert-Kittel das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland überreicht bekommen, das Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den beiden Pastoren verliehen hat. 
Wolf-Dieter Haardt und Manfred Hickmann sind für ihr langjähriges, ehrenamtliches Engagement für die geschichtliche Aufarbeitung des Nationalsozialismus im Landkreis Northeim und hier für die Aufarbeitung der Geschichte der ehemaligen Konzentrationslager Moringen ausgezeichnet worden. Die Ordensverleihung sollte bereits im April dieses Jahres in einer größeren Feierstunde im Familien- und Freundeskreis durchgeführt werden. Doch dann hatte die Corona-Pandemie es nicht mehr zugelassen, die Veranstaltung wie geplant durchzuführen.
Landrätin Klinkert-Kittel hat die Ordensverleihung nunmehr im Kreishaus im kleinsten Kreis vorgenommen. Teilgenommen hatten neben der Landrätin nur die beiden Ordensträger. „Die Verleihung hatten Sie ganz anders geplant. Und ich finde es für Sie ganz schade, dass dieses große Ereignis nicht in dem gebührenden Rahmen stattfinden konnte“, so Landrätin Klinkert-Kittel während der Zeremonie. Wolf-Dieter Haardt war in der Zeit von 1973 bis 1989 in der Ev.-luth. Kirchengemeinde Moringen tätig. Anschließend wechselte Haardt zu den Kirchengemeinden Elvershausen und Berka. Bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2010 nahm er Aufgaben des Kirchenkreisjugendpastors wahr und war als Notfallseelsorger und stellvertretender Superintendent im ehemaligen Kirchenkreis Northeim tätig.
Nach seinem Dienstantritt in der Kirchengemeinde wurde Wolf-Dieter Haardt bekannt, dass zwischen den Jahren 1933 und 1945 in Moringen drei Konzentrationslager existierten. Die Konzentrationslager in Moringen waren nach heutigen Kenntnissen die ersten von den Nationalsozialisten errichteten Lager. Es handelte sich um ein Männer-Konzentrationslager, ein Frauen-Konzentrationslager und ein Konzentrationslager für männliche Jugendliche. 
„Sie haben als treibende Kraft in den 70er- und 80er- Jahren die über viele Jahre verdrängte Geschichte der Moringer Konzentrationslager in Erinnerung gerufen“, würdigte Landrätin Klinkert-Kittel Haardts Engagement. 
Er habe viel dazu beigetragen, der Verdrängung des Geschehenen entgegenzuarbeiten und die Ereignisse der örtlichen Konzentrationslagergeschichte in der Bevölkerung aufzuarbeiten. Insbesondere habe er darüber in denen von ihm gegründeten Jugendgruppen gesprochen. Ab 1974 unternahm Haardt alle zwei Jahre mit jeweils rund 25 Jugendlichen Fahrten in das ehemalige Konzentrationslager Auschwitz. In Zusammenarbeit mit der „Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste“ sensibilisierte er die jungen Menschen zur bewussten Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Zeit. Daneben begann Wolf-Dieter Haardt die Moringer Friedenswochen auszurichten. Eine Initiative für Frieden und Versöhnung, an der hunderte überwiegend junge Menschen teilnahmen. Im Jahr 1979 erhielt Haardt dann Unterstützung von Manfred Hickmann. Hickmann war von 1979 bis 1996 Geistlicher in Moringen und hat sich mit gleicher Entschiedenheit für die Aufarbeitung der örtlichen Geschichte eingesetzt.
„Gemeinsam haben Sie erreicht, den im Jugendkonzentrationslager ums Leben gekommenen Jugendlichen eine würdevolle Bestattung zu bereiten, Ihre Gräber herzurichten und einen Gedenkstein für das Gräberfeld aufzustellen“, so Landrätin Klinkert-Kittel. Durch die von Haardt und Hickmann organisierten jährlichen Gedenkfeiern ehemaliger Häftlinge der Konzentrationslager sei den Zeitzeugen ein Wiedersehen mit ehemaligen Freunden und Weggefährten ermöglicht worden. 
Haardt und Hickmann seien wichtige Ansprechpartner für die Belange der Überlebenden der Konzentrationslager gewesen. Sie eröffneten dadurch die Gelegenheit für Gespräche von Zeitzeugen und jüngeren Menschen. Insbesondere Jugendlichen sei es so ermöglicht worden, sich über geschichtliche Ereignisse auszutauschen und gemeinsam mahnend gegen das Vergessene zu arbeiten. Im Jahr 1983 hat Manfred Hickmann mit der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit die von Hannah Vogt verfasste erste Dokumentation über die drei Moringer Konzentrationslager herausgegeben. Wolf-Dieter Haardt hat zudem einen Fachaufsatz: „Was denn, hier- in Moringen?!“ Die Suche nach einem vergessenen KZ in Detlef Grabe´s: „Die vergessenen KZs? Gedenkstätten für die Opfer des NS-Terrors in der Bundesrepublik“ veröffentlicht.
Im Jahr 1989 wurde der Verein „Lagergemeinschaft und Gedenkstätte Konzentrationslager Moringen e.V.“ gegründet in dem Hickmann einige Zeit den Vereinsvorsitz wahrnahm. Der Verein war mit dem Ziel der Interessenvertretung der ehemaligen Häftlinge und zur Unterstützung der wissenschaftlichen Erforschung und Aufarbeitung der Geschichte der Konzentrationslager Moringen gegründet worden.
„Sie haben ihre vielfältigen Aufgaben stets mit voller Überzeugung und Idealismus wahrgenommen. Ihr unermüdliches langjähriges Engagement trotz großer Widerstände hat stets große Wertschätzung genossen“, dankte Landrätin Klinkert-Kittel den beiden Pastoren. Ihr unermüdlicher Einsatz habe viel dazu beigetragen, dass die Geschichte der Konzentrationslager in Moringen öffentlich geworden sei und die Schicksale der ehemaligen Häftlinge in einem würdigen Gedenken bewahrt würden.
Foto: Carolin Diedrich, Landkreis Northeim
Von links: Wolf-Dieter Haardt, Landrätin Astrid Klinkert-Kittel und Manfred Hickmann.

Hinweis:
Während der Bildaufnahme wurde der Mund-Nasenschutz abgenommen. Der notwendige Abstand wurde eingehalten. Während der Zeremonie trugen alle Beteiligten den Mund-Nasenschutz