Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Orgel

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Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Es gibt zahlreiche, besonders schöne Erfahrungen“

17. Dezember 2020
Bernd Ranke, Foto: Privat

Interview mit Pastor Bernd Ranke: Rückblick vor dem Ruhestand

HARDEGSEN. Pastor Bernd Ranke wird Anfang des Jahres auf eigenen Wunsch in den vorzeitigen Ruhestand versetzt. Der 59-Jährige ist seit 26 Jahren Pastor und hat zehn Jahre davon in Hardegsen gearbeitet. Von Anfang an gehörte die Verantwortung für die Diakoniestation St. Mauritius mit ambulanter Pflege und Tagespflege zu seinen Aufgaben. Seit Gründung der gemeinnützigen GmbH im April 2010 ist er dort Geschäftsführer. Diese Aufgabe wird er nach seiner Pensionierung fortsetzen.
Warum haben Sie sich entschieden, Pastor zu werden?
Pastor Bernd Ranke
: „Ursprünglich wollte ich einmal Gartenbauingenieur werden. Zur Vorbereitung habe ich eine zweijährige Lehre als Landschaftsgärtner absolviert. Aber dann waren die Berufsperspektiven nicht so gut. Ein Freund von mir studierte nach unserem gemeinsamen Zivildienst in einem Altenpflegeheim schon Theologie. Da ich auch schon seit Jahren in einer Kirchengemeinde als Organist und ehrenamtlicher Mitarbeiter aktiv war, wählte ich dann doch Theologie als Studium. Mir gefiel die Vorstellung, mit und für Menschen zu arbeiten. Die Verbindung von Glaube und Handeln, von Kirche und Diakonie/Soziales wurde dann auch zu einem roten Faden in meinem beruflichen Werdegang.“

Was bedeutet Ihnen Ihr Glaube - gerade in diesen Zeiten?
Pastor Bernd Ranke
: „Der Glaube hilft zu einem tieferen Verständnis des Menschseins und des Lebens. Es gibt so vieles, für das für sehr dankbar sein können. Und wenn etwas einmal nicht so läuft, wie wir es wünschen, fallen wir nicht ins Bodenlose. Da ist einer, Gott, der unser Leben in seinen Händen hält. Und es gibt in der Kirche und Diakonie Menschen, die füreinander einstehen. Hier ist für mich der Glaube an Jesus Gottes Sohn sehr wichtig. Er hat uns vorgelebt, was es heißt, Menschen nahe zu sein und ihnen zu helfen. In seiner Nachfolge können wir mit anderen gesellschaftlichen Gruppen zusammen gerade in diesen Zeiten für andere da sein.“

Was war ein besonders schönes, prägendes Erlebnis während Ihrer Gemeindearbeit in Hardegsen?
Pastor Bernd Ranke
: „Es gibt nicht das eine besonders schöne, prägende Erlebnis. Es gibt zahlreiche besonders schöne Erfahrungen. Bei Verabschiedungen hört man immer wieder, was jemand geleistet hat: Da wurde ein Gebäude errichtet, da etwas saniert. Das sind alles Dinge, die nach außen sichtbar sind.
Ich denke an viele kleine Erlebnisse: Die Kindergartenandacht, der Familiengottesdienst, wo wir alle unter einem großen Zelt standen, Taufgottesdienste, Trauungen, ja selbst Trauerfeiern gehören zu den Erlebnissen, die mich sehr bewegt haben, weil ich hier Menschen auf Zeit besonders nah sein durfte und wir spüren konnten, dass die christliche Botschaft „trägt“. Bewegend auch die Konfirmationen, besonders die mit den Schüler*innen der Weper-Schule, eine Förderschule für Kinder und Jugendliche mit Mehrfachbehinderung. Ich denke auch die Klausurtagungen mit dem Kirchenvorstand oder die großen Feste in der Stadt, die 1000-Jahrfeier mit einem ökumenischen Gottesdienst oder der Eselmarkt. Diese Reihe ließe sich noch verlängern. Ich blicke jedenfalls mit großer Dankbarkeit auf die Zeit zurück. Und ich meinem Schöpfer dankbar, dass ich gesund geblieben bin und die Kräfte gereicht haben.“

Was werden Sie vermissen?
Pastor Bernd Ranke: „Es ist als Pastor immer ein bewegender Moment, am Ende eines Gottesdienstes den Segen zu sprechen. Das ist viel an Spiritualität da und ich spüre, hier im Talar, stehst Du als Prediger und Seelsorger, Du darfst den Menschen im Auftrag Gottes etwas Gutes zusprechen, Seinen Segen. Und ich habe dabei immer die Gemeinde angeschaut, von denen ich ja viele kenne. Das ist etwas, was ich vermissen werde.
Und dann sind da die Kolleginnen und Kollegen in der Nachbarschaft und im Kirchenkreis. Wir haben mit unseren Superintendenten immer sehr schöne und intensive Konvente gehabt, den letzten in Rothenburg. Dieses gute Miteinander habe ich immer geschätzt.“

Wie werden Sie Ihren Ruhestand verbringen?
Pastor Bernd Ranke
: „Seit zehn Jahren habe ich zwei Berufe ausgeübt. Ich bin Pastor im Hauptamt gewesen und Geschäftsführer der Diakoniestation St. Mauritius mit ambulanter Pflege und Tagespflege im Nebenamt. Seit zwei Jahren habe ich meine Pfarrstelle um ein Viertel reduziert, dafür durfte ich mit meiner Kollegin, Diakonin Heike Nieschalk, die Arbeit aufteilen. Mit dem freiwerdenden Viertel konnte ich mich der Aufgabe als Geschäftsführer widmen. Dieser Teil wird mit dem Ruhestand auf eine halbe Stelle erweitert, so dass ich mich noch weiter beruflich engagieren kann. Aber durch die Aufgabe der Gemeindearbeit werde ich besonders am Wochenende mehr Freizeit haben.“

Und wo?
Pastor Bernd Ranke
: „Wir bleiben in Hardegsen wohnen und sind dabei, uns ein Häuschen mit Garten einzurichten. Meine Familie freut sich mit mir über die neuen Freiräume. Besuche bei Freunden, im Sommer Zeit zum Segeln, das ganze Jahr Spaziergänge mit dem Hund, Lesen und Musizieren.“

Ruhestand oder Unruhe?
Pastor Bernd Ranke
: „Nach einer gehörigen, längeren Pause auf Anfrage auch einmal wieder im Kirchenkreis Gottesdienste halten oder Vertretung übernehmen. Wegen des Segelns aber lieber im Winterhalbjahr als im Sommer J. Das habe ich immer auch sehr bei meinen Kolleg*innen im Ruhestand geschätzt, dass sie mich vertreten haben, wenn ich Urlaub oder ein freies Wochenende hatte.“

Was wünschen Sie sich für Ihre Gemeinde?
Pastor Bernd Ranke: „Meiner Gemeinde wünsche ich, dass sich die guten Entwicklungen der letzten Jahre weiter fortsetzen. Da ist der offene Umgang im Kirchenvorstand zu nennen und das Engagement der Haupt-, Neben-, und Ehrenamtlichen. Zugleich freue ich mich, dass gleich nach meinem Ruhestand eine Kollegin die Pfarrstelle übernimmt. Sie wird sich ganz auf die Arbeit als Gemeindepastorin konzentrieren können. Und das freut mich auch für die Gemeinde. In meiner Zeit war ich zum Beispiel als stellvertretender Superintendent, als Mitglied der Landessynode oder auch als Geschäftsführer nicht so präsent in der Gemeinde.
Ich wünsche allen eine gute, erfüllte und gesegnete Zukunft und den Mut, Neues auszuprobieren und Veränderungen als Chance zu sehen.“

Pastor Bernd Ranke wird an Neujahr um 19 Uhr in St. Mauritius Hardegsen. Geplant ist ein Ökumenischer Gottesdienst mit Dechant Andreas Pape, Pastor Dr. Jens Gillner als stellvertretendem Superintendenten und Pastor Bernd Ranke. Eine Anmeldung im Pfarrbüro Hardegsen ist erforderlich, da es nur eine begrenzte Platzzahl gibt.