Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

Landesbischof schreibt an Gemeinden

07. Januar 2021

Ralf Meister dankt für das Engagement und wünscht Kraft für schwierige Zeiten

Hiermit dokumentieren wir ein Schreiben des Landesbischofs Ralf Meister an alle Kirchengemeinden der Ev-luth. Landeskirche Hannovers: 

An die
Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone, Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker, Lektoren und Lektorinnen, Prädikanten und Prädikantinnen der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers


Liebe Schwestern und Brüder,

ich schreibe Ihnen am Epiphaniastag. Mit großer Dankbarkeit blicke ich zurück auf die Weihnachtstage und den Jahreswechsel, auf Ihr unermüdliches Engagement, die Vielfalt Ihrer Ideen und die wohltuende Kraft, die von Ihren Weihnachtsgottesdiensten und -angeboten vor Ort und im digitalen Raum ausgegangen ist. Bitte geben Sie diesen Dank auch weiter an Ihre Sekretärinnen, Küster und Küsterinnen, Ihre Kirchenvorstände und die Vielen, die Sie unterstützt haben.

Viele von Ihnen sind erschöpft und müde. Einige haben mir geschrieben, dass sie ihre letzte Energie in die Angebote zu Weihnachten und Silvester investiert haben und dringend eine Pause brauchen zwischen dem Geleisteten und dem Anspruch, nun die kommende Zeit zu gestalten. Woher soll die Kraft kommen? Wie können wir das Licht des Kindes in dieser unübersichtlichen Welt bezeugen? 

„Einen kalten Weg hatten wir hin, just des Jahres schlechteste Zeit für eine Reise, und eine so lange Reise: Die Wege tief und das Wetter schneidend, mitten im strengsten
Winter. So beschreibt der englische Dichter und Schriftsteller T.S. Eliot die Reise der drei Weisen aus dem Morgenland. Während ich diese Zeilen schreibe, wirbeln Schneeflocken durch meinen Garten. Es ist ein Gedicht für den 6. Januar. T.S. Eliot beschreibt die drei Weisen als zweifelnde Menschen. Sie fragen, ob es lohnte, den Weg anzutreten zur Krippe. Sie hatten nicht mehr als einen Stern und eine Verheißung. „Die Kamele sattelwund, huflahm, störrisch, sich in den schmelzenden Schnee werfend. Schließlich dünkte es besser die Nacht zu reisen, stundenweise schlafend, immer im Ohr die Stimmen, die uns sagten: Dies alles wär Wahnsinn.“ 

Lange nach der Heimkehr ins Königreich fängt dann einer der Könige an zu erzählen. Er schildert diese beschwerliche Reise und fasst zusammen: „Dies schreib auf: Dies: Führte uns all dieser Weg zu Geburt oder Tod? Da war Geburt, gewiß, es war augenscheinlich, ohne Zweifel. Ich hatte Geburt gesehen und Tod. Doch immer geglaubt, sie seien verschieden; diese Geburt war harter und bitterer Schmerz für uns, wie Tod, unser Tod. Wir kehrten nach Hause, in diese Königreiche. Doch hier war uns nicht mehr wohl, in der alten Ordnung. Bei einem fremden Volk, das sich an seine Götter klammert...“

T.S. Eliot war Ende dreißig, als er dieses Gedicht schrieb. Er schrieb es in dem Jahr, in dem er sich taufen ließ. Er hatte ein Leben hinter sich, ohne den Glauben an das Kind in der Krippe. Und schaut zurück auf seinen Weg, ordnet große Fragen neu. 

Ich mag dieses Gedicht. Es nimmt uns die Illusion, mit dem Glauben sei es eine einfache
Angelegenheit. Wir müssten nur einmal an der Krippe stehen und schon würde die Welt verändert sein. So einfach ist das nicht. Je älter wir werden, umso besser wissen wir es. Aber, und daran hält Eliot fest, unser Blick hat sich durch das Kind in der Krippe verändert. Wir schauen anders auf die Welt. Die Hoffnung, dass die Welt besser werde durch diese Geburt, ist unauslöschlich gegenwärtig. Wir sehen die Welt im Lichte der Verheißung. 

So wünsche ich Ihnen und uns Kraft und Barmherzigkeit für diese schwierigen Wochen. Der Weg lohnt sich, so mühsam er manchmal auch ist. Wir gehen ihn mit diesem Kind, seinem Leben, seinem Tod. Wir gehen ihn mit Gott durch alle Zeiten. 

Dietrich Bonhoeffer hat 1934 in London am 1. Januar formuliert: „Das nächste Jahr wird kein Jahr ohne Angst, Schuld, Not sein. Aber – dass es in aller Schuld, Angst, Not ein Jahr mit Christus sei, dass unserm Anfang mit Christus eine Geschichte mit Christus folge, die ja nichts ist als ein tägliches Anfangen mit ihm – darauf kommt es an.“  Bleiben Sie barmherzig,  auch mit sich selbst!

Ihr 
Ralf Meister
Hannover, Epiphaniastag 2021