Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

MITTELALTERLICHE BILDER DER PASSION Teil 1

18. Februar 2021
Mittelalterliche Bilder, Foto: Nicole Sterzing

Bild für Bild: Mit Glasmalereien durch die Passionszeit
Der 550 Jahre alte Passionszyklus in der St. Sixti-Kirche neu entdeckt


Woran halten wir uns im Leben und im Sterben fest? Seit Jahrhunderten versucht der christliche Glaube darauf Antwort zu geben - in Gottesdiensten und Festen, in Liedern und Gebeten sowie in Bibellesungen und Seelsorge. Auch die kirchliche Kunst führt vor Augen, was uns helfen und stärken kann.
Die St. Sixti-Kirche bewahrt vier Fensterbilder zur Passionsgeschichte, die im norddeutschen Raum einzigartig sind. Sie wurden vor bald 550 Jahren geschaffen. Zu sehen sind das letzte Abendmahl, die Gefangennahme in Gethsemane, die Geißelung Christi und die Kreuztragung. Es sind Monumentalbilder mit übergroßen Figuren. Sie entstanden in einer Zeit, in der die Menschen täglich mit Not konfrontiert waren: Krieg, Seuche, Hunger, Armut sowie Krankheit prägten das Leben.
Umso wichtiger war es, sich an etwas „festzuhalten“. Wie „Trostbilder“ leuchteten die Passionsfenster auf und warfen ein Licht auf, das was trägt: Die Feier der Gemeinschaft, das gemeinsame Tragen des Kreuzes, das uns auferlegt ist, das geduldige Erleiden von Schmerz sowie der Trost, den Gott uns schenkt und den wir weitergeben können…
Bewahrt…
Es ist kaum vorstellbar, dass Glasfenster mehr als ein halbes Jahrtausend überdauern. Und doch: Wenn die Passionsfenster in der St. Sixti-Kirche in Northeim im Licht aufleuchten, dann sehen wir noch heute, wie die Menschen des Mittelalters Geschichten erzählten. Viele Menschen konnten nicht lesen. Bücher kannten die wenigsten. Dafür waren die mittelalterlichen Kirchenfenster wie ein gewaltiges „Bilderbuch“ – „ganz großes Kino“ würde man heute sagen. Vier Monumentalbilder sind aus dem Northeimer Passionszyklus erhalten. Sie zeigen das letzte Abendmahl im Jüngerkreis, die Gefangennahme Jesu im Garten Gethsemane, die Geißelung Jesu durch Soldaten sowie die Kreuztragung mit Maria, Johannes und Simon von Cyrene.

Vergessen…
In früheren Zeiten hatten die Passionsfenster ihren Platz im Chorraum der Kirche. Nach Osten gerichtet leuchteten die Fenster in der Morgensonne auf und erzählten ihre Geschichte. Als das große Osterfenster dort seinen Platz fand, musste der alte Passionszyklus weichen und fand an der dunklen Nordseite einen neuen Platz. Von der Empore bedeckt waren die Fenster vom Kirchenschiff aus kaum sichtbar. Die Bilder fanden nur noch wenig Beachtung.

Wiederentdeckt…
Dr. Elena Kosina vom Forschungszentrum für mittelalterliche Glasmalerei in Freiburg nahm die Fenster im Jahr 2011 näher unter die Lupe und wies darauf hin, dass die vier jeweils neun Scheiben umfassenden Szenen des Passions-Zyklus zu den bedeutendsten Werken der monumentalen Glasmalerei dieser Zeit im Norddeutschen Raum gehören. Vergleichbare Fensterkompositionen mit mehreren übereinander geordneten großformatigen Szenen finden sich sonst in den Großbauten der Spätgotik, etwa im Chor des Ulmer Münsters, der Wallfahrtskirche St. Nikolaus in Bad Wilsnak oder in der Frauenkirche in München. Datiert werden die Glasmalereien aufgrund der überlieferten Herstellungs-Inschrift in der Szene der Kreuztragung um 1478.
Restauriert…
Nach ihrer „Wiederentdeckung“ wurden die wertvollen Fensterbilder von Glas-Restauratorin Nicole Sterzing restauriert. Nach Abschluss von Heizungsneubau und Innenrenovierung kehren sie im Sommer 2021 in die St. Sixti-Kirche zurück. Jeweils neun Scheiben gehören zu einem Großbild. Unten und oben sind sie von Glasornamenten jüngeren Datums (Ende des 19. Jahrhunderts) eingefasst.
Die Original-Malereien waren früher in den Sixti-Chorfenstern zu finden und wurden später in die vier Langfenster auf der Sixti-Nordseite umgesetzt:

1. Das Abendmahl
Zu sehen ist Christus im Kreis seiner Jünger an einer reichen und vornehmen Tafel mit Gedecken im Stil des 15. Jahrhunderts. Während die Jünger mit Heiligenscheinen dargestellt sind, fehlt dieser dem Judas, dem ein Teufelchen aus dem Munde fährt.
 
2. Die Gefangennahme Jesu in Gethsemane
mit dem Judaskuss und der Verwundung des Malchus (unten) durch Petrus. Unten sieht man unten das Wappen der Bäckergilde mit drei Semmeln.
 
3. Die Geißelung Christi durch vier Folterknechte mit Stange, Peitsche und bloßen Händen. Die Dornenkrone ist zu Boden gefallen. Die Füße Jesu sind gebunden. Einer der Gewalttäter reißt Jesus am Haar.  
 
4. Die Kreuztragung
Jesus wird von seiner Mutter Maria und dem Lieblingsjünger sowie von Simon von Cyrene begleitet. Dieser hilft ihn, das Gewicht des Kreuzes zu tragen.

Bei diesen vier Bildern sind nicht nur der starke Ausdruck durch ihre Farbigkeit, sondern auch die bewegte figürliche Darstellung und die Bildaufteilung sowie die einzelnen Details beachtenswert.

Von diesen mittelalterlichen „Trostbildern“ lesen Sie in den kommenden Passionswochen mehr. Wir haben Autorinnen und Autoren eingeladen, über Bilder oder Details zu schreiben. Auch die Northeimer Nachbargemeinden und die Konfessionen des Ökumenischen Arbeitskreises haben sich beteiligt: In den Bildern sehen wir ein gemeinsames vorreformatorisches „Erbe“. Der Northeimer Drehbuchautor Ronny Schalk und Regionalbischof i.R. Eck
hard Gorka steuern ihre besonderen Sichtweisen bei.

Vielleicht entdecken Sie bei genauerem Hinschauen in den kommenden Wochen „Trostbilder“ für Ihr Leben.