Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Kirche bleibt in Bewegung“

18. Februar 2021

Mehr als 60 Ehrenamtliche nahmen an der Video-Sitzung teil

Kirchenkreis. „Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich ein Fenster. Wenn Gottesdienste nicht mehr gehen, geht etwas Anderes.“ Mit diesem Gedanken brachte Superintendentin Stephanie von Lingen den aktuellen Stand der Evangelischen Kirche bei der Kirchenkreissynode auf den Punkt: „Nach fast einem Jahr Corona-Einschränkungen bleibt die Erkenntnis: Gemeinsam entwickeln wir uns weiter. Wir bleiben in Bewegung.“
Um Zukunftsthemen in schwierigen Zeiten ging es bei der Kirchenkreissynode des Kirchenkreises Leine-Solling vergangene Woche. Wie auch die letzten Sitzungen fand auch dieses „Parlament des Kirchenkreises“ als Videokonferenz statt. Die gewählten Delegierten und weitere Interessierte aus den 35 Kirchengemeinden rund um Einbeck, Uslar und Northeim brachten einen Doppelhaushalt auf den Weg und besprachen Weichenstellungen für den nächsten Stellenplan, der in diesem Jahr erstellt werden soll.
„Trotz geringerer Kirchensteuereinnahmen wird die Landeskirche die Zuweisungen an die Kirchenkreise für die nächsten beiden Jahre in gleicher Höhe wie 2020 beibehalten“, erläuterte Pastor Martin Giering, der bei der letzten Kirchenkreissynode mögliche Kürzungen angekündigt hatte: „Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ Anschließend wurde der Doppelhaushalt für die Jahre 2021/2022 in Höhe von je rund 9,5 Millionen Euro verabschiedet. Einen Unterschied gibt es zu den Vorjahren: Eigentlich richtet sich die Sachzuweisungen an Kirchengemeinden nach der Zahl der Gottesdienste. Da die Coronapandemie die Anzahl der Gottesdienste jedoch stark eingeschränkt hat, empfahl der Finanzausschuss, die Gottesdienstanzahl des Jahres 2019 zur Bemessung zugrunde zu legen. Dem Beschlussvorschlag wurde zugestimmt.
Anschließend kam ein weiteres Problem zur Sprache. Im konkreten Fall ging es um Arbeitsschutz und Kirchenvorsteher Friedhelm Schütte beklagte, dass die ehrenamtlichen Mitglieder des Kirchenvorstandes verantwortlich seien für Sicherheitsmängel in ihren Kirchengebäuden, was ihm zu weit geht. „Wenn was passiert, bin ich als Ehrenamtlicher haftbar, das darf nicht sein“, meinte er. Dazu stellte Karl-Heinz Himstedt, Leiter des Kirchenamtes, klar: „Es haften nicht Sie direkt, sondern die Kirchengemeinde.“ Damit ist alles juristisch nicht ganz so brisant wie befürchtet, am Problem der Überlastung der Ehrenamtlichen ändere es jedoch nur wenig, so kam es von verschiedenen Seiten. Daher wurde ein Antrag an die Landessynode auf den Weg gebracht, damit nicht weitere Aufgaben an die Kirchenvorstände delegiert werden, sondern ein zentraler Sicherheitsbeauftragter eingesetzt wird.
Als Schwerpunktthema ging es um erste Informationen zu den Stellenplanungen für den Zeitraum von 2023 bis 2028. Hier stellte Pastor Martin Possner aus dem Stellenplanungsausschuss die gravierenden Einschnitte dar, die wegen sinkender Gemeindegliederzahlen auf den Kirchenkreis zukommen werden. Der Rückgang sei weniger durch Kirchenaustritte, sondern vor allem durch den Altersdurchschnitt der Region wie auch den Wegzug vieler Jüngerer zu erklären. In jedem Fall aber werden in den nächsten Jahren Stellen eingespart werden müssen, da zusätzlich auch die Personalkosten steigen werden.
Martin Possner gab zu bedenken, dass auch lange nichts eingespart werden musste und erläuterte dann: „Wir müssen in größeren Räumen denken“. Das bedeute mehr Vernetzung der einzelnen Kirchtürme, eine engere Zusammenarbeit der Kirchengemeinden und gemeinsame Planung der Pfarrämter. „Gibt es für Pfarrstellen auf dem Land überhaupt noch genug Interessenten?“, so eine Nachfrage. Hierzu räumte Superintendent Jan von Lingen ein, dass es schwieriger werde, Stellen zu besetzen, doch noch bestehe keine akute Not.
Aus der Landessynode berichtete der gewählte Synodale Marius Steinwachs anschließend, dass auch diese digital durchgeführt wurde. Marius Steinwachs ging aber auch auf die Mindereinnahmen in Folge der Pandemie ein, die für die Landeskirche ein großes Thema sind. Etwa 50 Millionen Euro wurde im Jahr 2020 weniger erwartet, so referierte er, wodurch allen klar wurde, dass sich das in welcher Form auch immer in den kommenden Jahren für alle auswirken wird.
„Das Leben will gelebt werden, egal ob Lockdown oder nicht“, fand Stephanie von Lingen zum Abschluss motivierende Worte, „das Evangelium findet neue Wege zu den Menschen.“ Als Grund für den hoffnungsvollen Blick in die Zukunft nannte sie die Digitalisierung, die sich für die Kirche nicht als Stolperstein herausgestellt habe. Dazu nannte sie Open-Air-Gottesdienste, Seelsorgeangebote und Kirchenmusik, die deutlich zeigen, dass Kirche sich einerseits zu helfen weiß und andererseits für viele Menschen eben gerade jetzt lebensrelevant ist. In zehn Arbeitsgruppen werde bereits jetzt an den Handlungsfeldern der Zukunft gearbeitet, so von Lingen.
Dazu gehören neben den klassischen Aufgaben wie Gottesdienst, Kirchenmusik, Jugendarbeit und Diakonie auch neue Aufgaben wie Klimaschutz, Gebäudemanagement und „Kirche im Dialog“.