Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

Mittelalterliche Bilder der Passion Teil 2

25. Februar 2021

Die Gefangennahme Jesu / Petrus zieht das Schwert

Kirchenkreis.
Die mittelalterlichen Glasmalereien der St. Sixti-Kirche gehören zu den bedeutendsten Monumentalmalereien des 15. Jahrhundertes im norddeutschen Raum. Mit einer neuen Sichtweise wollen wir den Northeimer Passionszyklus in den Mittelpunkt rücken. Wir erzählen die Geschichten neu:


Die Soldaten. Wie viele Soldaten braucht es, um einen unbewaffneten Mann festzunehmen? Eine kleine Heerschar ist aus der Stadt Jerusalem gekommen und im Garten Gethsemane einmarschiert. Sie sind angerückt mit Schwertern, Spießen, Fackeln, sogar mit Pfeil und Bogen. In ihren Rüstungen und prächtigen Gewändern kesseln sie den Mann in der Mitte regelrecht ein. Barfuß steht dieser auf einem grünen Rasen. Er hat die Hände geöffnet. 
Eine seltsame Ruhe geht von Jesus aus, als könne ihm der Tumult nichts anhaben. Er würdigt den Kampftrupp mit keinem Blick. Seine Augen ruhen auf dem Mann am Boden. Es ist ein Knecht des Hohepriesters. Seine Laterne ist zu Boden gestürzt, er hält sich den Kopf. Blut strömt aus der Stelle am Kopf, wo sein Ohr sein sollte. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt und kreidebleich. Ein Schrei entfährt seinem Mund.
Dieses Bild lebt von Kontrasten: Waffengewalt gegen Friedfertigkeit. Die steinerne Stadt mit Turm und Burg im Hintergrund, im Vordergrund dagegen der geflochtene Zaun und das kunstvoll gemalte Gras. Die drängende Schar der Soldaten links und rechts - und in der Mitte Jesus mit einer geradezu gelassenen Körperhaltung. Die Soldaten sind von Kopf bis Fuß mit Helm und Rüstung ausstaffiert. Jesus empfängt sie mit rotem Gewand und ohne Schuhe.
Die Blickrichtungen zeigen, worum es wirklich geht. Der Mann, der Jesus umarmt und küsst, ist Judas, der Verräter. Er blickt zu Jesus, aber verschlagen und boshaft. Petrus, der eben mit dem Schwert zuschlug und den Knecht verletzte, blickt ebenfalls zu Jesus, geradezu eindringlich und flehentlich. Jesus blickt aber weder zu dem Einen noch zu dem Anderen, sondern zu dem verletzten Mann am Boden. Das Johannesevangelium nennt ihn Malchus. Und dieser Verletzte schaut zum Betrachter des Bildes, als wolle er sagen: „Seht her! - Das ist meine Geschichte mit Jesus.“ - Davon berichtet das Lukasevangelium: „Und Jesus rührte sein Ohr an und heilte ihn.“

Text: Superintendent Jan von Lingen (Ev.-luth. Kirchenkreis Leine-Solling)

Petrus. Petrus verstaut nach seinem Angriff auf den Knecht das Schwert in der Scheide. So kennen wir Petrus. Aufbrausend, gefühlvoll, emotional. Ein Fels in der Brandung, sagen die einen. Ein Sturkopf, der mit dem Kopf durch die Wand will, sagen die anderen.
Mit Soldaten hat er eigentlich nichts zu schaffen. Seine Welt ist der See Genezareth. Als er noch Fischer war, traf er Jesus und verlor Hals über Kopf sein Herz. Petrus stieß vom Ufer seines Alltags ab und kehrte nicht mehr in sein altes Leben zurück. Und er tauschte Wind, Wasser, Weite gegen staubige Straßen, belebte Marktplätze und dunkle Synagogen. Seine „Lebensnetze“ füllten sich statt mit Fischen mit Glaube, Hoffnung und Liebe. Alles würde er für Jesus tun: ja, sogar sterben. In Erinnerung geblieben ist sein großes Bekenntnis: „Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!“ Doch auf diesen geradezu himmlischen „Herz-Moment“ legt sich ein Schatten. Später, als Petrus den Soldaten heimlich folgt und erkannt wird, verleugnet er Jesus: „Ich kenne diesen Menschen nicht!“
Doch jetzt nähert sich Fackellicht. Waffengeklirr erfüllt den Garten. Petrus ist der Erste, der Jesus verteidigen will. Ganz allein stemmt er sich gegen die Übermacht. Ein Hieb mit dem Schwert - und der Knecht liegt am Boden. Lass ab, nicht weiter, sagt Jesus. Mitten im Aufmarsch der Soldaten, im Kessel der Festnahme, wendet sich Jesus dem Verletzten zu. Es gibt nichts Wichtigeres in diesem Moment. Mitten im Unheil geschieht Heilung und Heil.

Text: Superintendentin Stephanie von Lingen (Ev.-luth. Kirchenkreis Leine-Solling)