Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Der Wunsch ist groß, wieder miteinander singen zu können“

17. Juni 2021

Kirchenmusik wägt ab: Ist es Zeit für Gemeindegesang und Chorproben?

Kirchenkreis. Man darf schon wieder singen? Ja, aber möchte man auch? Oder doch lieber abwarten? In den vergangenen Tagen ist darüber viel hinter den Kirchentüren im Kirchenkreis Leine-Solling debattiert worden. Denn seit März 2020 hatte es Gemeindegesang in Gottesdiensten höchstens im Freien gegeben. Nun ist er, mit stimmigem Hygienekonzept und unter gewissen Voraussetzungen, auch im Kircheninneren wieder erlaubt.
In dem aktuell geltenden Stufenplan der niedersächsischen Landesregierung heißt es: „Sollte die Inzidenz unter 35 liegen, ist z.B. Gemeindegesang nicht mehr untersagt." Das bedeutet, dass Gemeindegesang nach mehr als einem Jahr wieder möglich ist. Und dennoch war am Sonntag nicht überall Gemeindegesang zu hören. Wie sehen das die hauptberuflichen Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker in Leine-Solling?Wie haben Sie den vergangenen Sonntag erlebt – Gesang ja oder nein?

„Wir haben keinen Gemeindegesang erlebt – nur Solo-Gesang von mir als Kantor“, berichtet der Kreiskantor aus Northeim, Benjamin Dippel. Und Meike Davids, Kinderkantorin im Kirchenkreis, ergänzt: „Auch auf vielen Dörfern rund um Northeim wird erst wieder nach den Sommerferien gesungen.“ Ein ähnliches Statement gibt auch Matthias Vespermann, Gospelkirche und Beauftragter für Popularmusik, ab: „In der Apostelgemeinde Northeim findet bis zu den Sommerferien noch kein Gemeindegesang statt. Am letzten Sonntag durften erstmals die Masken am Platz abgenommen werden. Ich habe Solo gesungen und mich je nach Lied selbst mit der Orgel oder dem Piano begleitet.“
Andere Erfahrungen hat Ulrike Hastedt, Kreiskantorin aus Einbeck, gemacht: „Die Gemeinde hat bei bekannten Melodien leise zu meinem Solo-Gesang mitgesummt. Die Schluss-Strophen wurden draußen gesungen, dabei habe ich Trompete gespielt.“ Vorsichtigen Gesang gab es auch in Uslar, erzählt Kreiskantor Ole Hesprich: „Wir haben in Uslar am letzten Sonntag vorsichtig mit dem Gemeindegesang begonnen: zwei Lieder mit je drei Strophen.“
Alle fünf Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker des Kirchenkreises Leine-Solling sind sich einig, dass nicht nur sie den Gesang in den vergangenen Monaten vermisst haben, sondern auch die Gemeinde- und Chormitglieder. Ole Hesprich beschreibt: „Das gemeinsame Singen ist ein wichtiger Bestandteil des Gottesdienstes. In der Zeit, in der das Singen für die Gemeinde nicht erlaubt war, habe ich stellvertretend für die Gemeinde solo gesungen. Das war immerhin erlaubt. Auch das war eine interessante Erfahrung für mich und die Gemeinde. Wir haben uns aber alle danach gesehnt, wieder miteinander singen zu können.“
Meike Davids und Benjamin Dippel ergänzen: „Singen als elementare Glaubensäußerung ist existentiell für uns als Kirchenmusiker. Aus Sicherheit und aus Verantwortung gegenüber den Mitmenschen in der Gemeinde zum ‚Nicht-Singen‘ aufzufordern, ist schwer zu ertragen. Wir erlebten die Zeit wie in einem Tunnel. Jetzt, wo das Singen wieder Einzug hält, merkt man wie sehr man es vermisst hat.“ Die beiden greifen außerdem eine wichtige Sichtweise auf, mit der sich wohl alle Kirchengemeinden gerade befassen: „In dieser Übergangszeit, in der sich die Gesellschaft befindet, müssen wir als Kirche nicht nur die Stürmer und Dränger nach schnellstmöglicher Öffnung hören, sondern auch die Stillen und Ängstlichen. Dazwischen liegt wahrscheinlich irgendwo die Wahrheit. Es gilt zu vermitteln und Vertrauen zu bewah ren.“ Gesungen wird in Northeim voraussichtlich bei zwei „sommerlich beschwingten Freiluftgottesdiensten“ am 24. Juni und am 21. Juli, jeweils um 19 Uhr auf dem Parkplatz des Gemeindehauses St. Sixti, Hagenstr. 18.
Ähnlich sieht es auch Ole Hesprich auf die Frage, mit welchem Gefühl er persönlich mitsingt – ganz unbedenklich in der Gruppe oder lieber noch vorsichtig: „Wenn die Hygienekonzepte stimmen, der Abstand gewahrt werden kann und der Raum das zulässt, dann ist das für mich sehr in Ordnung. Trotzdem: nicht übertreiben, vorsichtig bleiben und an den lokalen Inzidenzen orientieren und gegebenenfalls reagieren bzw. das Konzept anpassen.“ Das sieht auch Ulrike Hastedt so: „Mit Abstand habe ich ein gutes Gefühl!“
Und wie geht es mit den Proben der unterschiedlichen Chöre, Bläser und anderen Musikgruppen weiter? Ulrike Hastedt beschreibt: „Wenn es irgendwie geht: draußen! Bislang hatten wir keine Probe von Bläsern oder Sängern drinnen, obwohl das auch möglich wäre!“ Auch Meike Davids und Benjamin Dippel sind optimistisch vorsichtig: „Wir öffnen schrittweise die Chorarbeit, die ausnahmslos draußen bei einer Inzidenz von unter 35 stattfindet.“ Genau wie Ole Hesprich: „Wenn alles klappt, dann starten wir in Kürze mit dem Gospelchor nach bewährtem Konzept vom letzten Sommer mit dem Singen in der Kirche. Die Singschule startet frühestens nach den Sommerferien.“
Matthias Vespermann schaut zurück und nach vorn: „Ich habe noch nie so viel selbst gesungen, wie im letzten Jahr. Jetzt freue ich mich einfach, den Chorgesang wieder zu erleben und proben zu dürfen. Vor allem freue ich mich auf die Sängerinnen und Sänger, die wir online nicht erreichen konnten und hoffe sehr auf ihr Kommen.  Bisher fanden nur Proben von maximal drei Personen statt. Chorproben nur online. Ab nächster Woche starten wieder Band und Gospelchorproben in voller Stärke. Zunächst draußen oder mit genügend Abstand. Es ist ein Gefühl von Aufbruchsstimmung und ich freue mich sehr auf den Start.“