Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Kunst ergänzt das Wort“

09. September 2021

Fredelsloher Pastor Peter Büttner geht in den Ruhestand

Fredelsloh. Kaum zu glauben: Peter Büttner wird in den Ruhestand verabschiedet – nach fast zehn Jahren als Pastor in Fredelsloh und Leine-Weper. Aus England war er damals mit seiner Frau Zsuzsanna Bényei-Büttner in den Kirchenkreis Leine-Solling gewechselt. Und er hat sich gleich zu Hause gefühlt. Peter Büttner selbst schildert seine Anfänge wie folgt: „Als ich das erste Mal in der Klosterkirche stand, wusste ich: Das ist es!“ Der damalige Superintendent Heinz Behrends hatte ihm auf einer Rundfunkautorentagung im Michaeliskloster den Tipp gegeben, da sich seine Zeit in England dem Ende zuneigte. Büttner ergänzt: Alle Freunde und Bekannte, die ich dann anrief, kannten Fredelsloh, weil sie in Göttingen studiert hatten – und ich in Kiel. Alle sagten: Tolle Kirche, schöner Ort. Auch meine Mutter kannte Fredelsloh und bemerkte: Ich habe dir doch zum Studium eine Teekanne geschenkt, die ist aus Fredelsloh. So hatte ich also schon jahrzehntelang ein Teil aus Fredelsloh, ohne es zu ahnen.“ Als er dann das erste Mal, auf einem Kurztrip aus Birmingham, in der Klosterkirche war, wusste er: „Hier können wir was machen, viel machen. Was genau, wusste ich da noch nicht.“ Durch die Kunsttradition des Ortes und viele aufgeschlossenen Bewohnerinnen und Bewohner entwickelte sich dann sehr schnell die Kulturarbeit, erleichtert durch Büttners zahlreiche Kontakte zu Musikerinnen und Musikern. Mehr und mehr entwickelte sich die heutige KulturKirche – und ebenso die Literaturkirche in Schnedinghausen, gemeinsam mit seiner Frau und anderen. „Sie bestand sieben Jahre – erhofft waren drei – mit insgesamt 55 Veranstaltungen“, blickt der Pastor zurück. In der Zeit habe er viel erlebt, unzählige interessante Menschen, ihre Geschichte(n) kennengelernt, wirklich „herzzerreißende“ Schicksale erlebt. „Und oft haben wir, meine Frau und ich, neu angefangen, bei jedem Umzug und ganz besonders nach England und zurück“, sagt Peter Büttner lächelnd.

Die verschiedensten Gottesdienste seien immer eine Freude für ihn gewesen, wie zum Beispiel die Advents– und Passionsandachten in allen Orten. Dankbar ist er für die vielen unterschiedlichsten Veranstaltungen in der Klosterkirche Fredelsloh und allen, die dabei mitgemacht haben und dadurch diesen Erfolg erst möglich gemacht hätten.
 

Pastor Peter Büttner und ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), Margot Käßmann Foto privat

„Die Klosterkirche ist heute ein Besuchermagnet für die ganze Region, mit knapp 25.000 Gästen im Jahr 2019 die wohl bestbesuchte im Kirchenkreis. Damals als wir kamen, waren es noch etwa 3500. Fredelsloh ist die einzige KulturKirche auf dem Lande, so oft ausgezeichnet wie keine andere in der Landeskirche“, sagt der Pastor nicht ohne Stolz. Eigentlich sollte es – auch dank der großartigen Krippenfiguren – „nur“ ein Höhepunkt vor den großen Gottesdiensten und Veranstaltungen zur 888-Jahr-Feier der Klosterkirche im Jahre 2020 werden: der ZDF-Fernsehgottesdienst am 4. Advent 2019. Peter Büttner beschreibt: „Weit über ein Jahr vorher hatte ich den ersten Anruf bekommen. Monatelang vorher wurde geplant. Mit dabei waren Margot Käßmann und Fritz Baltruweit. Es war stressig, anstrengend – und unglaublich toll. Ein unvergesslicher Gottesdienst – und auch Anerkennung und ein würdiger Abschluss meiner Arbeit. Denn mit Corona war alles anders. Was danach noch kam, war auch gut und schön, aber eben anders.“

Sein Kirchenvorstand sagt über Peter Büttner: „Die öffentliche Verkündung ist eine der wesentlichen Aufgaben der Pastoren und Pastorinnen im pfarramtlichen Dienst. Pastor Büttner hat diese Aufgabe in ganz besonderem Maße mit Kunst und Musik erfüllt. Er hat nicht selbst gesungen und ob er malen kann, wissen wir nicht – aber er hat unzählige Künstlerinnen und Künstler, sowie Musikkonzerte aller Art in unsere Gemeinde gebracht und mit der Fredelsloher Kulturszene vernetzt. Spuren seines Wirkens werden wir auch in Zukunft immer wieder finden.“

Deshalb sind alle glücklich, dass Peter Büttner die Kulturarbeit in der Klosterkirche Fredelsloh gemeinsam mit seiner Frau erst einmal ehrenamtlich weitermacht. Mittelfristig soll ein Förderverein diese Aufgabe übernehmen. Das sind immerhin vier oder fünf Ausstellungen im Jahr mit Begleitprogramm, etwa zehn Orgelkonzerte und ungefähr genauso viele andere Konzerte, Lesungen und Gespräche. Dazu komme die Organisation und Planung von Orgelkonzerten in einigen anderen Kirchen, die Beratung von anderen Kirchengemeinden in Bezug auf die Kulturarbeit – und deren Chancen. Kunst bedeute ihm viel, sagt Peter Büttner. „Für mich ist sie ein gleichwertiger Bestandteil jedes Gottesdienstes. Sie unterstützt nicht das Wort, sie ergänzt es, trägt es, ist mindestens genauso bedeutend.“


Es wird deutlich: langweilig wird es Peter Büttner in seinem Ruhestand, falls man ihn so nennen kann, sicher nicht werden. Und neben der Kulturarbeit habe er auch noch mehr als genug andere Dinge, die er gerne tun werde und auf die er sich freue, sagt der Pastor, der zunächst in Fredelsloh wohnen bleibt und in etwa einem Jahr nach Northeim zieht: „So zum Beispiel lesen, Musik hören, Konzerte und Opern besuchen, Fahrradfahren, Filme sehen, reisen und nicht zuletzt viele nette und interessante Menschen treffen – und dazu Zeit zu haben.“

Abschied

In den Ruhestand verabschiedet wird Peter Büttner, Pastor in Fredelsloh und den anderen Orten der Kirchengemeinde Leine-Weper, in einem Festgottesdienst am Samstag, 18. September, um 15 Uhr in der Klosterkirche Fredelsloh. Die Verabschiedung nimmt Superintendent Jan von Lingen vor, der Gottesdienst wird ergänzt von Günter Stöfer an der Orgel – und durch viel weitere Musik. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine vorherige Anmeldung zum Gottesdienst unter Tel. 05555-461 unbedingt erforderlich.

Infos zu Peter Büttner

Peter Büttner ist 1956 in Fallersleben (heute Wolfsburg) geboren. Nach seinem Studium in Kiel und Hamburg schloss sich sein Vikariat in Langenhagen und dem Kloster Loccum an.
Erste Stellen als Pastor waren in Sievershausen und Altwarmbüchen. Anschließend war Peter Büttner 12 ½ Jahre mit einer halben Stelle in Kirchwehren/Seelze, mit der anderen Hälfte erst (einer der ersten) Öffentlichkeitsbeauftragter im Kirchenkreis, dann (auch neu) Öffentlichkeitsbeauftragter im Sprengel Hannover und Pressesprecher der Landessuperintendentin, dann stellvertretender Superintendent des Kirchenkreises Garbsen/Seelze im Stadtkirchenverband Hannover. Zudem hat er die Notfallseelsorge im Kirchenkreis Garbsen-Seelze mit aufgebaut und war sieben Jahre Notfallseelsorger. Darüber hinaus war Peter Büttner die erste berufene, dann gewählte, Vertrauensperson der Schwerbehinderten in der Landeskirche und fungierte knapp fünf Jahre lang als von der EKD entsandter deutscher Pastor in Birmingham (England/GB) mit Gemeinden dort und in Coventry, Leicester, Derby, Nottingham und Lincoln.
Seit 2012 ist Peter Büttner Pastor in der Klosterkirche Fredelsloh und den anderen Orten der Kirchengemeinde Leine-Weper.

In über 20 Jahren hat er mehr als 250 Morgenandachten und andere Sendungen für NDR 1 Niedersachsen verfasst und gesprochen, mehrere Radiogottesdienste (unter anderem aus Coventry/GB), ZDF-Fernsehgottesdienst aus der Klosterkirche Fredelsloh. Zudem war er als Autor und Herausgeber mehrerer Bücher zu theologischen Themen beteiligt und hat die Reihe der Fredelsloher Hefte herausgebracht. Mittlerweile gibt es davon die 34. Ausgabe mit Geschichte und Geschichten über die Klosterkirche und Fredelsloh, Andachten und Ausstellungskatalogen.

Text: Mareike Spillner


 

Pastor Peter Büttner
Pastor Peter Büttner