Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

„Wir wollen Sinnfluencer sein“

07. Oktober 2021

Kirchenkreissynode Leine-Solling diskutierte Ziele für die Zukunft
Kirchenkreis.
Es sei hoffentlich die letzte Sitzung, die digital abgehalten wird, begrüßte die Vorsitzende Petra Lorenz die Mitglieder der Kirchenkreissynode Leine-Solling. Doch die fünf Handlungsfelder darzustellen, die im Kirchenkreis in den kommenden Jahren eine große Rolle spielen, erwies sich in der Videokonferenz mit rund 40 Beteiligten als durchaus hilfreich. Denn Texte, Bilder und Dateien konnten auf diese Weise gut sichtbar per Bildschirm geteilt werden. Auf diese Weise wurden fünf Handlungsfelder für die Zukunft vorgetragen und diskutiert.
Den Auftakt machte der Themenkomplex „Gottesdienst, Verkündigung und Seelsorge“. Den Kern kirchlicher Arbeit nahm sich Pastor Jens Gillner in seinem Vortrag vor. „Die gottesdienstliche Versorgung für 61 Kirchen und 32 Kapellen ist bisher gut gelungen“, so Gillner. Er stellte als Ergebnis seiner Arbeitsgruppe vor allem heraus, dass in Zukunft mehr Zusammenarbeit der Kirchengemeinden nötig und möglich sein wird. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen solle ein vielfältiges Angebot mit neuen Gottesdienstformen aufrechterhalten werden, jedoch nicht zu Lasten der Pastoren oder Ehrenamtlichen. Insofern muss mit kritischem Blick geschaut werden, welche Veränderungen möglich sind.
Superintendent Jan von Lingen stellte die Planungen rund um Kirchenmusik und kirchliche Kulturarbeit vor, sprach die vielen Orgeln im Kirchenkreis an sowie den Wunsch nach Förderung der Popularmusik. Zum Glück, so waren sich alle einig, laufe die Kultur innerhalb der Kirche ja jetzt wieder an: Die Kirche sei mit ihren Chören und ihren musikalischen Angeboten ein wichtiger Kulturträger im ländlichen Raum, so von Lingen. 
Im Bereich der Bildungsarbeit solle vor allem die Zusammenarbeit mit anderen Akteuren intensiviert werden, referierte Pastor Dr. Michael Emmendörffer. Es gehe in den kommenden Jahren darum, auch hier Angebote für möglichst viele aufrecht zu erhalten und neue Interessierte anzusprechen. Dabei sei Kooperation mit anderen der richtige Weg. Als Beispiel für Bildungsarbeit nannte er digitale Angebote und Schulungen für Ehrenamtliche sowie Ü60-Angebote unter dem Titel „Talente in der Rente“.
Für die Diakonie machte Kirchenkreissozialarbeiter Marco Spindler deutlich, dass es im Bereich Leine-Solling verschiedene soziale Problemlagen gebe, die bearbeitet werden müssen. Dazu gehören die Schuldnerberatung, die Altersarmut, die Integration von Geflüchteten und die Arbeit mit Kindern und Familien. Hier nannte er das Projekt „Jeder isst mit“ als Beispiel, das inzwischen vom Landkreis Northeim übernommen wurde. Der Kirchenkreis betreibe außerdem 19 Kindertagesstätten mit rund 420 Beschäftigten.
„Kirche außer Haus“ nennt sich das von den Mitgliedern der Synode selbst gewählte „Joker-Themenfeld“. Hier gehe es vor allem um das Ausprobieren von neuen Formen an neuen Orten, so Superintendentin Stephanie von Lingen. Als Beispiele nannte sie u.a. neue regionale Pilgerwege, Dorfmoderationen, einen Jugendkirchenladen oder Trecker- und Telefonandachten, aber auch eine größere Offenheit für individuelle Wünsche bei Kasualien. Es brauche Angebote, die sich aus der kirchlichen Komfortzone herausbewegen, damit aber die Chance beinhalten, neue Zielgruppen anzusprechen. Ein Wunschprojekt des Kirchenkreises ist das Format „Junge Kirche“ für die Generation U40. Gerade die Erfahrungen der Corona-Zeit zeigen, dass aufsuchende Angebote nahe bei den Menschen Erfolg haben. „Wir wollen christliche Inhalte und Grundhaltungen zeitgemäß leben, und als Kirche Sinnfluencer sein“, so Stephanie von Lingen.
In der anschließenden Diskussion über diese fünf Handlungsfelder wurde deutlich, dass es niemanden gibt, der sich gegen neue, offenere Formen kirchlicher Arbeit sperrt, es müsse eben nur darauf geachtet werden, den eigentlichen christlichen Kern nicht aufzugeben.
Zukunftsweisend könnte auch ein Modell für Kirchengemeinden sein, das der Synode von Kirchenamtsleiter Karl-Heinz Himstedt vorgestellt wurde. Das Förderprogramm „Attraktives Gemeindebüro“ der Landeskirche unterstützt nämlich die Einrichtung von regionalen Gemeindebüros. Denkbar wäre auch eine Förderung einer „Assistenz der Gemeindeleitung“ oder einer „Geschäftsführung für Regionen“. Dies könnte Ehrenamtliche bei der Verwaltungsarbeit entlasten. Pastorinnen und Pastoren könnten sich dann mehr auf ihre theologische Arbeit konzentrieren.
Aufgrund sinkender Gemeindegliederzahlen im künftigen Stellenplan wird es ab 2023 weniger Zuweisungen der Landeskirche für den Kirchenkreis geben, berichtete Superintendentin Stephanie von Lingen in ihrem Bericht. Abschließend wies sie aber darauf hin, dass der Großkirchenkreis Leine-Solling mit den Regionen Einbeck, Uslar und Northeim zu seinem diesjährigen 20. Geburtstag personell, konzeptionell und finanziell gut ausgerüstet sei, so dass der Blick in die Zukunft durchaus hoffnungsvoll sein darf.
Insgesamt zehn Handlungsfelder hat der Kirchenkreis in diesem Jahr entwickelt. Die ersten fünf Arbeitsgebiete waren bereits in der letzten Synodensitzung im Mai besprochen worden. In dieser Sitzung folgte der zweite Teil der Zukunftsplanung. Zahlreiche Ehren- und Hauptamtliche hatten bei der Entwicklung in zehn Arbeitsgruppen mitgewirkt. Insgesamt waren rund 200 Ehren- und Hauptamtliche an der Erstellung der Zukunftsziele beteiligt.
Die zehn Handlungsfelder sind die Grundlage für Erstellung der Stellenplanung für die Jahre 2023-2028. Diese wird im kommenden Jahr in der Kirchenkreissynode besprochen und beschlossen.