Vogelbeck

Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Orgel

Foto: Jan von Lingen

Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Pastor-kreuzt

Foto: Jan von Lingen

Wort zum Sonntag, EM am 17.11.2018

15. November 2018

100 Jahre später – Postkartengrüße aus dem 1. Weltkrieg

Morgen am Volkstrauertag beten wir in unseren Kirchen und an den Gedenksteinen für den Frieden. Denken an die Opfer von Krieg und Gewalt aus zwei Weltkriegen. 1918, vor 100 Jahren, endete der Erste. Er forderte mehr als 17 Millionen Menschenleben weltweit.

Johann T. aus einem kleinen niedersächsischen Dorf bei Hannover, gerade eben erwachsen, wird im August 1914 eingezogen. Aus dem Krieg schickt er Feldpostkarten nach Hause. Als Johann seine erste Karte schreibt, ist er noch zuversichtlich: „Heute Mittag sind wir von Hannover abgefahren. Auf Wiedersehen!“ Einige Monate später berichtet er:

„Muss Euch kurz mitteilen, dass ich bis jetzt noch gesund und munter bin. Aber es geht hier böse zu, niemals habe ich mir die Sache so schwer vorgestellt, als ich ins Feld zog.“ Über Weihnachten an der Front schreibt Johann: „Wie wir Kameraden untereinander die Weihnachtsfeier verhandelten, schlug plötzlich am 22. Dezember eine feindliche Granate in die Mitte unserer Kompanie, und es wurden 10 Kameraden getötet und 13 verwundet. Weihnachten war verdorben. Es ist grausam, niemals kann sich einer in diese Lage hineindenken, der dies nicht mitgemacht hat, aber wir wollen hoffen, dass die Sache bald ein Ende nimmt. Wir lauern alle Tage auf den Frieden.“ Dann wird Johann T. verwundet. Doch nach ein paar Wochen im Lazarett muss er erneut an die Front. Am 10. November 1916 schreibt er: „Bin jetzt in Verdun und wie es hier zugeht, das kann ich euch überhaupt nicht beschreiben. Möge doch dieser elende Krieg bald ein Ende nehmen, denn es wird doch bald zuviel. Die Menschen werden hier abgeschlachtet wie ein Stück Vieh. Und wer einmal dieses Elend gesehen hat, der hat zum zweiten Mal kein Verlangen zu dieser Schlachterei.“ Nur 20 Jahre später bricht der Zweite Weltkrieg aus. Wie konnte der Schrecken des ersten Weltkrieges so schnell vergessen werden? Hätten die Menschen doch mehr geredet und sich erzählen lassen von Männern wie Johann T. Denn tatsächlich überlebte der den Krieg. 1918 kam er zurück in sein kleines niedersächsisches Dorf. Als Zeitzeuge berichtete er von seinen Kriegserfahrungen. Aber was ihm am wichtigsten geworden war in seiner Not, erzählte er immer am Schluss - ein biblisches Wort aus dem Epheserbrief: „Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, wie Gott Euch vergeben hat in Jesus Christus.“ Anders ist Frieden nicht möglich. Gestern wie heute und morgen.

Stephanie von Lingen, Superintendentin im Kirchenkreis Leine-Solling

Stefanie von Lingen
Superintendentin Stephanie von Lingen