Kirchenkreisreform war langer Prozess: „Großkirchenkreise entlocken kein Hurra“
von Jan von Lingen
In diesem Jahr feiert der Evangelisch-lutherische Kirchenkreis Leine-Solling sein 25-jähriges Bestehen. Im Jahr 2001 fand die Gründungsfeier mit der Einführung des ersten Superintendenten Heinz Behrends statt.
Ende der 1990er Jahre war deutlich: Die Alt-Kirchenkreise Northeim, Einbeck und Uslar waren zu klein für die Zukunft. Sie waren im 19. Jahrhundert durch Grenzen der preußischen Landkreise entstanden. Außerdem war eine Anpassung an den 1977 gegründeten Landkreises Northeim überfällig. Dies war der Grund, dass im Jahr 2001 der Kirchenkreis Leine-Solling gegründet wurde. Seitdem umfasst der Kirchenkreis Leine-Solling nahezu den gesamten Landkreis Northeim.
Aus dem Trio der Altkirchkreise wurde also ein Großkirchenkreis - oder eben ein „KKnT“, wie es damals genannt wurde: Ein „Kirchenkreis neuen Typs“. Ein Vorteil war die Reduzierung der Gremien, da zwei Kirchenkreistage und viele weitere Gremien entfielen. Außerdem schuf die Zusammenlegung neue Planungssicherheit, da mehr Mitarbeitende zusammenarbeiten konnten. Schließlich gab es nun ein gemeinsames Gegenüber für den Landkreis. Der Reduzierung von drei Superintendenturen auf nur noch eine Superintendentur sparte außerdem Kosten.
Ein Nachteil waren die weiten Entfernungen und die zusätzliche Belastung der Leitungsgremien. Sogar im Landeskirchenamt wurde der Satz notiert: „Große Kirchenkreise entlocken kein Hurra.“ Aber eine bessere Lösung sei nicht zu finden. Und so gab das Landeskirchenamt „grünes Licht“ für den neuen Kirchenkreis Leine-Solling.
Die Kirchenkreis Leine-Solling ist dabei nicht aus Eigeninitiative entstanden, sondern war Teil eines großen Projekts namens „Kirchenkreisreform im Sprengel Göttingen“. Ein Jahr dauerte der Forschungs- und Entwicklungsprozess in Südniedersachsen zur Veränderung der Kirchenkreise. Geleitet wurde er von Prof. Dr. Herbert Asselmeyer, Professor für „Angewandte Organisationspädagogik“ in Hildesheim. Dabei ging es vor allem um eine räumliche Neuordnung. Die Zahl der Kirchenkreise im Sprengel Göttingen sollte von 10 auf 5 reduziert werden. Außerdem sollten zukunftsweisende Organisations- und Verwaltungsstrukturen geschaffen werden.
Dies war allerdings keine Neuordnung „von oben“, denn zahlreiche Ehrenamtliche waren in der Kirchenkreisreform maßgeblich beteiligt. Im Vorfeld wurden Strukturdaten erhoben, kirchliche Profile beschrieben und absehbare Probleme benannt. Zahlreiche Besuche in Gemeinden gehörten dazu. Ganz am Ende stand die Beschlussfassung in den drei beteiligten Kirchenkreistagen und die Gründungsfeier mit Einführung des ersten gemeinsamen Superintendenten. Heute umfasst der Kirchenkreis 35 Kirchengemeinden und bietet an drei Standorten Kirchenkreiskantorate, Kirchenkreissozialarbeit und Kirchenkreisjugendarbeit. Außerdem gehören 19 Evangelische Kindertagesstätten dazu sowie ein gemeinsames Kirchenamt mit dem Nachbarkirchenkreis Harzer-Land. Seit 2015 wird der Kirchenkreis Leine-Solling von Superintendentenehepaar Stephanie und Jan von Lingen im Zusammenwirken mit dem Kirchenkreisvorstand geleitet.