Der Notfallbaum
Auf meiner Radstrecke steht ein Apfelbaum. Ich fahre gerne schnell, bis an meine Grenzen. Manchmal vergesse ich, mir einen Energieriegel einzupacken. Oft bin ich schon zu diesem Apfelbaum gekommen, völlig entkräftet. Und glaubt mir: So gut wie da hat noch kein Apfel geschmeckt. Süß und saftig.
Einmal aber bin ich mit meinem Auto an diesem Baum entlanggefahren. Ich habe angehalten und mir einen Apfel gepflückt. Die Enttäuschung war groß. Er hat irgendwie nur wie ein ganz normaler Apfel geschmeckt.
Ich muss dabei manchmal an das Sprichwort „Beten lernt man in der Not“ denken. Und ja, ein Teil stimmt auf jeden Fall: In der Not spüren wir ganz besonders, was uns im Leben trägt. Eben wie mein Notfallbaum.
Und doch stimmt ein Teil des Sprichworts auch nicht: Natürlich kann man in der Not auch beten lernen. Aber manchmal lohnt es sich, Dinge kennenzulernen, bevor man sie braucht. Weil sie dann einfach da sind, wenn die Kraft ausgeht und der Energieriegel mal wieder fehlt.
Wenn du also gerade in einer Krise steckst, schwach bist und nicht mehr weiterweißt, wünsche ich dir etwas, das dir neue Kraft gibt. Alle anderen lade ich in unsere Gemeinden ein: um Hoffnung aufzuspüren, bevor man sie braucht, um Fragen zu stellen, die Tiefe haben, und um Teil einer Gemeinschaft zu werden, die trägt.
Pastor Christian Coenen
Kirchengemeinden der Region Dassel