Alle haben mitgemacht
Mehr als 7.000 Menschen waren da. Und sie sind alles glücklicher nach Hause gegangen, als sie gekommen waren. Das war der Wunsch des Künstlers: Michael Patrick Kelly hat letzte Woche ein phänomenales Konzert auf der Waldbühne in Northeim abgeliefert. Fast 3 drei Stunden singt er mit seiner Band, begeistert die Menschen und gegen 22 Uhr kündigt er die Peace Bell (Friedensglocke) an. Sie senkt sich aus dem Dunkel des Bühnendachs herab. Gegossen aus Waffenschrott aus den Kämpfen um Butscha in der Ukraine. Der Glockenklöppel ist ein ausrangiertes G 3 Maschinengewehr. Die Botschaft von Michael Patrick Kelly ist klar: In so vielen Kriegen wurden Glocken eingeschmolzen und der Stahl wurde für die Waffenproduktion genutzt. Er kehrt es mit seiner frisch gegossenen Peace Bell symbolisch um, fei nach dem Motto: Schwerter zu Pflugscharen. Dann bittet er alle Konzertteilnehmenden 1 Minute für den Frieden zu schweigen. Es wird mucksmäuschenstill. Alle machen mit. Ich denke daran, dass, wir bei allen Debatten um Wehr – und Kriegstüchtigkeit und welche Waffen, wohin geliefert werden sollen, den Frieden nicht aus dem Blick verlieren dürfen. Im Großen wie im Kleinen. Kein Jahrzehntelanges Wettrüsten, wir brauchen das Geld doch für Bildung und die Zukunft unserer Kinder. Ich denke an die vielen durch Kriege zerrissenen Familien. Ich versuche mich da einzufühlen und bin zugleich dankbar, dass ich so leben kann, wie ich lebe. Der Abend klingt lange nach.
Martin Possner
Pastor und Seelsorger im Maßregelvollzugszentrum
in Moringen & Göttingen