Kirchenkreissynode gründet „Perspektiv-AG Leine-Solling 2035“
Kirchenkreis. Mit einer „Perspektiv-AG Leine-Solling 2035“ will sich der Kirchenkreis den Zukunftsfragen stellen. Superintendentin Stephanie von Lingen stellte die neue Strategiegruppe bei der Kirchenkreissynode vor, an der rund 50 Delegierte aus Kirchengemeinden und Einrichtungen teilnahmen. Spiritualität, Traditionsabbruch und Demografie sollen zunächst untersucht werden. Anschließend solle geprüft werden, wie diese sich auswirken auf Strukturen, Finanzen, Mitarbeiterstellen und Gebäudebestand im Kirchenkreis. Mit den Ergebnissen könne der Kirchenkreis gut vorbereitet in die nächste Planungsperiode von 2029 bis 2034 starten. Die Landeskirche gibt für diese kommende Periode ein Einsparvolumen von bis zu 30 Prozent vor. Hintergrund sind die sinkenden Mitgliederzahlen und die steigenden Kosten sowie die Umfrageergebnisse einer aktuellen Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung.
Laut dieser Befragung sagen 13 Prozent der Kirchenmitglieder von sich, sie seien mit der Kirche stark gebunden, berichtete von Lingen. 19 Prozent der befragten Kirchenmitglieder verstehen sich als kirchlich verbunden und eher gesellschaftlich aktiv. 26 Prozent der Kirchenmitglieder verstehen sich als distanziert und 42 Prozent gaben an, sie seien eher „säkular geprägte“ Kirchenmitglieder. Auf solche Veränderungen in der Gesellschaft müsse Kirche eingehen und sich inhaltlich und strukturell weiterentwickeln, um serviceorientiert dem Bedarf der Menschen nach Halt, Spiritualität und auch praktischer Hilfe wie in der Diakonie gerecht zu werden, führte von Lingen aus. Die Bildung der Perspektiv-AG wurde von der Kirchenkreissynode einstimmig mit einer Enthaltung beschlossen.
Als Referentin eingeladen war Kirchenkreissozialarbeiterin Melanie Schmidt. Sie stellte das Projekt Mieterinitiative des Diakonischen Werkes Uslar vor. Mehr als 200 Personen leben in 20 Mehrfamilienhäusern, die von einer Immobiliengesellschaft aufgekauft wurden, berichtete Melanie Schmidt. Allerdings sei die Hausverwaltung nicht erreichbar – trotz Wasserschäden und Heizungsausfall. Das Forum KinderarMUT der Diakonie habe darum beschlossen, das Thema „bezahlbaren Wohnraum für Familien in Uslar“ als Hauptthema auszuwählen. Eine neue Mietervereinigung bündele nun die Anliegen vieler Mieter, um ihren Stimmen mehr Gewicht gegenüber Immobiliengesellschaften zu verleihen, die Menschen in soziale Schieflagen stürzen. „Mein christliches Selbstverständnis sagt mir, dass wir als Kirche unsere Ressourcen mit Menschen in Notlagen teilen und uns besser mit Kommunen und weiteren Verantwortlichen vernetzen sollten“, stellte sie heraus.
Die Sitzung der Kirchenkreissynode des Kirchenkreises Leine-Solling startete mit der Vorstellung des neuen Leiters des Kirchenamtes Northeim für die Kirchenkreis Harzer Land und Leine-Solling, Tobias Grote, aus Katlenburg. Unterhaltsam interviewte ihn Präsidiumsmitglied Sarah Coenen zu seinen persönlichen Vorlieben. So erfuhren die 50 Delegierten aus Kirchengemeinden und Einrichtungen zum Beispiel, dass der 48-Jährige lieber Zahlen mag als Buchstaben, lieber Harzer Roller isst als Zuckerkuchen und lieber Musik hört, als dass er selbst singt. Singen gehört auch nicht zu seinen Aufgaben, bestätigte Pastorin Coenen im Interview.
Etwas ernsthafter stellte Grote aufgrund seiner Erfahrungen in der Kommunalverwaltung des Landkreises Northeim fest, dass sich die kommunale und die kirchliche Verwaltungsarbeit nicht so sehr in den Themen unterscheidet, wohl aber in der Zahl der Gremien und auch der Gestaltung der Sitzungen. Beim Kirchenkreis beginne diese immer mit einer Andacht und schließe mit einem Gebet. Was es wohl ausmachen würde, wenn auch kommunale Gremien so starten und enden würden? fragte sich Tobias Grote.
Zum Ende warb Stephanie von Lingen für das Pilotprojekt „Familienkirche“ sowie für
weitere Projekte im Kirchenkreis Leine-Solling wie „Einfachheiraten“ am 26.6.26 oder das
geplante Mitsingfestival im Mai.
Seit 25 Jahren besteht der Kirchenkreis Leine-Solling jetzt und die Superintendentin zog
vorsichtig eine positive Bilanz: Trotz Mitgliederschwund und veränderten Bedingungen in
der Gesellschaft seien viele Menschen in der Kirchenregion gut vernetzt und gern miteinander
verbunden. Kirchliches Leben, Konzerte und diakonische Unterstützung in den Dörfern und
Städten würden in hohem Maße anerkannt.