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Foto: Jan von Lingen

Foto: Yvonne Guschke-Weinert

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Kindergottesdienst

Kindergottesdienst

Zwischen Algorithmus und Nächstenliebe

Pressemitteilung 05. November 2026
Karl Teille stellte 12 Regeln für den Umgang mit Künstlicher Intelligenz vor.

Wie der Kirchenkreis die KI-Revolution gestaltet

Kirchenkreis Leine-Solling.
Künstliche Intelligenz (KI) ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern auch im kirchlichen Alltag angekommen. Vom Formulieren eines Artikels im Gemeindebrief bis hin zu KI-gestützter Verwaltung – die technologische Entwicklung macht vor den Türen der Pfarrbüros nicht halt. Doch wie passt dies Technologie zu einer Institution, bei der der Mensch, seine Würde und die persönliche Begegnung im Mittelpunkt stehen? Dies war das Thema einer Kirchenkreiskonferenz des Kirchenkreises Leine-Solling mit rund 35 Mitarbeitenden, unter ihnen Pastorinnen und Pastoren, Diakoninnen und Diakone und Kirchenmusizierende.

„Der rasante technische Wandel im Informationszeitalter wirft immer wieder neue ethische Fragen und moralische Herausforderungen auf“, erklärt Referent Dr. Karl Teille von der Evangelischen Agentur in Hannover.
Der ehemalige VW-Manager und Dozent für Ethik im Digitalen Zeitalter an der Universität in Magdeburg arbeitet in der Evangelischen Agentur der hannoverschen Landeskirche. Er stellte die aktuell erarbeitete Leitlinie: „12 Regeln für ethische KI“ vor. Diese Leitlinie steckt einen klaren Rahmen für den verantwortungsvollen Umgang mit Systemen wie Claude, ChatGPT und weitere Sprachmodelle im kirchlichen Raum ab.

„In einer digitalisierten Welt, die zunehmend durch Optimierung und Algorithmen geprägt ist, setzt die Kirche hier ein wichtiges Gegengewicht“, ergänzte Teille. Das bedeutet für die Praxis: Technik wird dankbar für ihre Arbeitserleichterung angenommen, erfährt jedoch keine Verklärung: „Ein verantwortungsvoller KI-Einsatz setze zwingend voraus, dass Sicherheit gewährleistet ist und KI dort Grenzen gesetzt werden, wo die Selbstbestimmung, die Würde oder die Handlungsfähigkeit des Menschen gefährdet werden“, betonte der Referent.

Die von Karl Teille und Kolleginnen und Kollegen der Evangelischen Agentur ausgearbeiteten Regeln übersetzen rechtliche und ethische Fragestellungen in konkrete Handlungsempfehlungen für Mitarbeitende in Gemeinden, Verwaltung und Diakonie. Dabei stehen drei Säulen besonders im Fokus: Recht und Verantwortung wie das kirchliche Datenschutzrecht, außerdem Transparenz und Wahrheit sowie Seelsorge und Schöpfung: „Es gibt rote Linien, die nicht überschritten werden dürfen. Das seelsorgliche Gespräch, das gemeinsame Gebet und die Sakramente gibt es nur von Mensch zu Mensch. Hier hat KI keinen Platz.“ Auch der Schutz sensibler Daten – etwa aus der Beratung – hat absolute Priorität; sie dürfen niemals in öffentliche KI-Systeme fließen. Zudem erinnert die Leitlinie an die Bewahrung der Schöpfung: Der enorme Energie- und Wasserverbrauch von Rechenzentren verlangt einen bewusst ressourceneffizienten Einsatz.

Die Kirche wählt mit diesen Leitlinien bewusst nicht den Weg der pauschalen Ablehnung, sondern den der "digitalen Mündigkeit. Mitarbeitende sollen befähigt werden, die neuen Werkzeuge sinnvoll, kreativ und sicher zu nutzen, um Freiräume für das zu schaffen, was keine Maschine jemals ersetzen kann: Zeit für den Nächsten.

Bevor aber ein Tool gestartet wird, hilft eine einfache Checkliste, berichtet Karl Teille: „Wofür? Wie sicher? Wo sind die Grenzen?“ Damit zeigt die Evangelische Agentur, dass Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können – solange der digitale Fortschritt dem menschlichen Miteinander dient.