Sonja Ahrens präsentierte ihr Buch zur offenen Arbeit
Northeim. „Es ist eine Frage der Haltung“, sagt Sonja Ahrens über das Konzept der offenen Arbeit in Kindertagesstätten. Oder anders: Sie stelle sich einen Obstsalat mit vielen süßen Früchten vor, in dem jede einzelne Frucht ihr individuelles Aroma einbringe. Sonja Ahrens ist Fachberatung im Kita-Verband Leine-Solling und hat als Erzieherin schon den einen oder anderen Obstsalat für Kinder zusammengestellt. Außerdem hat sie gemeinsam mit dem Diplom-Sozialpädagogen und analytischer Kinder- und Jugendpsychotherapeut Gerhard Regel ein Buch geschrieben. In der Corvinus-Kirche stellte sie die Neuauflage von „Offene Arbeit: Pädagogische Ansätze auf einen Blick“ gemeinsam mit dem Team der KiTa Corvinus vor. Eröffnet wurde die gut besuchte Präsentation von Superintendentin Stephanie von Lingen, anschließend gab es ein Interview mit Sonja Ahrens, der Kita-Leiterin Elke Prehn und der pädagogischen Leiterin des Kita-Verbandes Sonja Peters, das Pastor Jens Gillner führte.
Hier kam das Bild des Obstsalates auf und die drei Pädagoginnen erläuterten die Idee der offenen Arbeit als eine, die als Prämisse davon ausgeht, dass jedes Kind anders ist, andere Bedürfnisse und Stärken hat und dass es darum gehe, eben diese Stärken individuell zu fördern. Ein „basisdemokratischer Ansatz“, so erläuterten die drei Fachkräfte, einer, der Vertrauen in die Kompetenzen der Kinder setze.
Später vertiefte Sonja Ahrens die Erläuterungen dahingehend, dass die offene Arbeit nicht einfach jedem Bedürfnis der Kinder nachgehe, sie vielmehr ernst nehme, woraus dann eine individuelle Förderung erwachse. Daher eben eine Frage der Haltung für die Erzieher*innen. Stärken werden herausgebildet und das Kind werde somit zum Akteur seine Entwicklung und aktiv zum Mitgestalten seiner Umgebung hingeführt.
Letztlich sei die Arbeit somit eine Stärkung einer demokratischen Gesellschaft, weil die Kinder zu Selbstständigkeit erzogen werden, Mitbestimmung und auch Verantwortung erlernen. Das ist ihrer Meinung nach besonders wichtig, da es inzwischen ja auch wieder Strömungen geben, die auf Gehorsam setzen, was sie eben äußerst kritisch sieht. Auf Jens Gillners Frage, ob denn diese Arbeitsweise in der KiTa nicht zu Problemen in der Schule führen könne – solche Bedenken werden ab und zu geäußert – verwiesen alle drei Pädagoginnen auf andere, positive Erfahrungen und betonten zudem, dass es aus ihrer Sicht eher die Schule wäre, die sich verändern müsse.
Für die Lesung selbst hatte Sonja Peters sich „Verstärkung“ vom Team der benachbarten KiTa geholt. Das Buch ist nämlich in zwei Teile aufgeteilt, einen eher grundlegenden und einen eher praktischen mit Erfahrungen unterfütterten, so dass sich eine Lesung mit mehreren Stimmen anbot. Außerdem wies die Autorin noch darauf hin, dass das Buch mit dieser neuen Auflage in großen Teilen vollkommen überarbeitet sei, denn natürlich ist Pädagogik immer ein Prozess, der neue Erkenntnisse einbezieht und sich so stetig entwickelt.
Im Anschluss gab es die Möglichkeit, die KiTa zu besichtigen und mit den Mitarbeitenden ins vertiefende Gespräch zu kommen oder sich allgemein auszutauschen.
Buchpräsentation von Sonja Ahrens in der Corvinuskirche. Foto Christian Dolle