Wort zum Sonntag, 4.10.26 Erntedank
Aus Gottes Garten
Manchmal stelle ich mir Gott wie eine erfahrene Hausfrau vor. Die Haus und Hof zusammenhält. Die morgens früh aufsteht, den ganzen Tag auf den Beinen ist, um Vieh, Kind und Mann zu versorgen. Die in ihrer Kittelschürze im Gemüsegarten steht und Äpfel sammelt. Es sind verschiedene Sorten, manche knackig, manche mehlig, manche sauer, manche süß. Manche zum Lagern geeignet, manche nur zur sofortigen Verwendung.
Diese Hausfrau kennt das Wort Lebensmittelverschwendung nicht. Sie kennt nur Lebensmittelverwertung. Für jeden ihrer Äpfel fällt ihr etwas ein, was man daraus machen kann: Mus, Gelee, Kuchen, Bratäpfel, Dörrobst, Himmel und Erde… Hat ein Apfel eine faule Stelle oder einen Wurm, schneidet sie das heraus. Und die schönsten lagert sie sorgsam ein, für den Winter. Kühl und dunkel – so kann sie die kleinen, roten an Weihnachten noch an den Christbaum hängen.
Aber jetzt ist erstmal Erntedank. Und Gott freut sich über die vielen schönen Früchte auf dem Altar. Genauso wie über das Glas selbstgemachtes Apfelmus, das jemand dazu gestellt hat. Und nach dem Gottesdienst freut sich Gott nochmal. Weil dann alle noch bleiben und zusammen essen. Und dann freut sich Gott ein drittes Mal, wenn all die schönen Erntegaben zu denen gebracht werden, die keinen Garten haben. Das habe ich wirklich gut gemacht, denkt sie sich. Dass ich so viele Möglichkeiten gefunden habe, aus meiner bunten Ernte etwas Gutes zu machen.
Pastorin Sarah Coenen