Hörst du mich?
„Hörst du mich?“, flüstert der kleine Junge in den großen Becher. Keine Reaktion.
Er versucht es etwas lauter: „Papa, hörst du mich?“
Aber der Vater von dem Jungen ist abgelenkt. Er unterhält sich mit jemandem.
Ich bin auf dem Weltkindertagsfest im Garten der Generationen. Ein Vater hat mit seinem Sohn ein Becher-Telefon gebaut, zwei große Becher sind mit einer langen Schnur verbunden. Der Junge steht ganz in meiner Nähe, aber sein Papa ist mindestens zehn Meter entfernt. Und es ist wirklich faszinierend: Wenn man in den einen Becher hineinflüstert, dann kann es der andere hören. Vorausgesetzt, die Verbindungsschnur ist gespannt und der andere hört zu.
„Mensch Papa, du musst aber auch zuhören!“, schreit der Kleine jetzt quer über die Wiese.
„Okay, okay“, ruft der Vater, „jetzt bin ich ganz Ohr.“
„Hörst du mich, Papa?“, flüstert der kleine Junge noch einmal.
Und dann hält er sein Ohr an den Becher. Es vergehen ein paar Sekunden, dann leuchten die Augen des Jungen. Ich habe nicht verstanden, was der Papa geflüstert hat, aber ich kann es mir gut vorstellen: „Ja, ich höre dich, mein Kind!“
Der Junge ruft – und er will erhört werden. Mit Gott geht es uns nicht anders.
„Hörst du mich, Vater im Himmel?“
Oft machen wir die Erfahrung, die der kleine Junge macht: Keine Antwort! Von dem Jungen lerne ich: Einfach weiterrufen. Geben wir nicht gleich auf, rufen wir weiter, irgendwann antwortet Gott: „Ja, ich höre dich, mein Kind!“
Bleiben Sie neugierig!
Ihr
Daniel Konnerth,
Pastor in der Kirchengemeinde Einbeck