Jetzt Freude pflanzen
von Jan von Lingen, Superintendent im Kirchenkreis Leine-Solling
Immer um diese Zeit tun manche Familien etwas Ungewöhnliches: Sie nehmen Kressesamen oder Weizenkörner, legen sie in kleine Töpfe mit Erde, stellen diese auf die Fensterbank und warten geduldig, was passiert. Es ist Gartenzeit, auch für den kleinen Garten auf der Fensterbank.
Die Natur vor unseren Augen wachsen zu sehen, tut gut. Das hilft uns durch den manchmal trüben Alltag. Denn wer den Blick in den Nachrichten schweifen lässt, sieht eher die Zerstörung im Nahen Osten oder in der Ukraine. Es ist weltweit „Passionszeit“, also „Leidenszeit“. Die sieben Wochen vor Ostern, die an das Leiden von Jesus Christus erinnern, machen uns empfindsamer für das Leiden der Menschen unserer Zeit.
Mitten in der Passionszeit gibt es aber auch kleine Lichtblicke. Daran erinnert der Name des morgigen Sonntags. Er heißt „Lätare“ und bedeutet aus dem Lateinischen übersetzt „Freut euch!“ Dieser Sonntag wirft schon einen Blick voraus: Ostern ist nicht mehr fern und braucht nur noch etwas Zeit – so wie ein Saatkorn im Dunkeln keimt und wächst. Jesus selbst wählt dafür dieses Bild: „Nur das Samenkorn, das in die Erde fällt, bringt Frucht.“ Und wie ein Samenkorn versteht er auch sein eigenes Leben: Er gibt es hin, damit Gottes Liebe wachsen kann – wie ein grüner Halm aus dunkler Erde.
Und so wie Kressesamen oder Weizenkörner auf der Fensterbank, die in diesen Tagen gepflanzt werden. Vielleicht kommt ein Stein dazu, später dann Osterglocken und Birkenzweige. Nach und nach entsteht ein kleiner Ostergarten. So wächst Freude auf der Fensterbank!