Receptbuch
…steht auf der alten, vergilbten, schon ziemlich zerfledderten Kladde. Sie ist eines der wenigen Erbstücke, die ich von meiner Oma Minna habe. Sie war klein und rund und vor ihrer Heirat Köchin im Schloß Hasperde. Es gibt ein altes Foto, da steht sie mit anderen Bediensteten auf der Schlosstreppe in einer weißen, gestärkten Schürze. In dieser Zeit muss das Rezeptbuch entstanden sein. Es ist fein säuberlich mit Tinte handgeschrieben-alles in Sütterlin, der Handschrift, die damals in der Schule gelehrt wurde.
Das ist schon sehr lange her, daher auch die altertümliche Schreibweise auf dem Einband.
Neulich fiel mir das Buch mal wieder in die Hände, als ich zwischen den vielen bunten Hochglanzkochbüchern in meinem Küchenregal nach dem Rezept für den Rhabarberkuchen suchte.
Leider kann ich kein Sütterlin. Aber das Büchlein machte mich neugierig.
Mit diesem einen Kochbuch ist Oma Minna durchs Leben gegangen, hat für Familie und Freunde gekocht und gebacken, es an ihre Tochter weitergegeben und nun ist das Buch bei mir gelandet.
Und ich denke, es braucht nicht so viel, ich koche ja auch nicht ständig was Neues. Die richtig guten Rezepte werden von mir auch immer wieder hervorgekramt. Man erkennt sie daran, dass sie voller Flecken sind, weil sie oft neben dem Herd oder der Rührschüssel lagen.
Prüft alles und behaltet das Gute, denke ich und dann mache ich mich daran, einige ungenutzte Kochbücher auszusortieren und nehme mir vor, Sütterlin zu lernen, um doch noch einige Geheimnisse von Oma Minna zu lüften.