Ein Vermächtnis
In einer bunt gemischten Gruppe saßen wir an einem sehr großen Tisch. Kinder, Schwiegerkinder, Enkel und eine Urenkelin und wir sprachen über die Trauerfeier ihres sehr alt gewordenen Vaters. Und es gab sehr viel zu erzählen aus seinem Leben. Bemerkenswert war, dass er vor einigen Jahren seine Lebensgeschichte auf Bitten seiner Enkel aufgeschrieben hatte. In der allerschönsten Schönschreibschrift, mit vielen Bildern erzählte er von seinem Leben. Von Flucht und Vertreibung nur sehr wenig, denn es waren Narben auf seiner Seele, über die Feste im Dorf, seine Hochzeit und all die Geburten der Kinder, Enkel und Urenkel sehr ausführlich. Es ist eine Chronik des Zeitgeschehens, von Veränderungen und Wandel im Leben. Und er hat ihnen allen etwas mitgegeben: „Vergesst nicht zu beten“. Denn das hatte er auch mit allen Kindern, Enkeln, Urenkeln gemacht. Darüber sprachen wir sehr lange, denn er betete nicht nur zur Nacht mit ihnen, als sie alle noch klein waren, sondern auch einfach mal zu völlig überraschenden Zeiten am Tage. In Erinnerung war vielen das Gebet nach einem Rundflug über sein Dorf, den er anlässlich seines 90. Geburtstag sich gewünscht hatte. Am Boden wieder angekommen betete er: „Danke das ich das erleben durfte und das ich es überlebt habe!“ Jedes Gebet schloss er mit den Worten:“ Ich danke dir, dass ich so staunenswert und wunderbar gestaltet bin“.
Bleiben sie staunend und wunderbar!
Holger von Oesen
Springer-Diakon im Kirchenkreis